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Dienstag, 8. September 2026

Liebhabervorstellung in Jahrmarkt

Der Jahrmarkter Jugendverein veranstaltet am Sonntag, den 14. d. M. im Gasthaus zum Hirschen eine mit Konzert und Tanzunterhaltung verbundene Dilettantenvorstellung. Zur Aufführung gelangen: Das Kreuz der Mutter, Schauspiel in 2 Aufzügen von Hermann Marcellus und Der Dachdecker, komisches Gemälde in 5 Rahmen von Louis Angely. Im Rahmen des Konzertes werden vorgetragen: Frei und kühn, Marsch von Franz Lehar, Das Alpenhorn, Ouvertüre von Polzer, Das Glöcklein in der Brust, Lied von Neidhart, Herr Blase mit der langen Nase, heiterer Vortrag mit Gesang von Hillmann und der Verlobungsmarsch von Frankl. Die Musik besorgt die Lorißsche Musikkapelle.


aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar,
10. April 1929

Dienstag, 11. August 2026

Gedenkfeier für die Kriegsopfer

 Kriegerdenkmalweihe in Jahrmarkt

Gestern hat unsere große Nachbarsgemeinde Jahrmarkt ihrer Pflicht den Söhnen der Gemeinde gegenüber, die dem Weltkriege zum Opfer fielen, in der pietätvollsten Weise Genüge geleistet. Der gestrige Tag wird den Jahrmarktern ewig in Erinnerung stehen. Die Zahl der Opfer der 5000 Seelen betragenden Gemeinde beträgt nicht weniger als 176, deren Namen in goldenen Lettern in den vor der Kirche stehenden Obelisk eingemeißelt sind. 
Um 10 Uhr vormittag wurden die von Temeswar kommenden Dompropst Franz Blaskovics und Abgeordneter Dr. Franz Kräuter vor dem Gemeindehause durch die ehemaligen Krieger mit der Josef Kelterschen Musik empfangen. Vor dem Pfarrhause, wo sich die Peter Lorißsche Knabenkapelle aufgestellt hatte, wurden die beiden Gäste von der Gemeinderepräsentanz mit Richter Josef Stefan an der Spitze, dann dem Jahrmarkter Pfarrer Dechant Nikolaus Anton und dem die politische Gemeinde vertretenden Gemeindenotär Adam Kemeny (in Vertretung des am Erscheinen verhinderten Oberstuhlrichters Chirilovici) begrüßt. In der Kirche, die so überfüllt war, daß sogar einige hundert Leute vor dem Gotteshause standen, zelebrierte Dompropst Blaskovics das Hochamt. Ihm assistierten: Dechant Nikolaus Anton, Pfarrer Johann Pflug (Bruckenau), Pfarrer Matthias Wetzler (Bentschek) und Kaplan Anton Csik (Jahrmarkt). Unter Leitung des Direktorlehrers Johann Mersdorf sang am Chor der gemischte Kirchenchor die Messe. Nach dem Gottesdienste stellte sich eine fast unübersehbare Menge um das Denkmal auf. Ganz vorne standen die Witwen und Waisen, die Eltern und Angehörigen der Kriegsopfer. Die Feierlichkeit begann mit der durch die Kapelle Loriß vorgetragene rumänische Königshymne. Das bittere Schluchzen und Weinen wollte nicht aufhören, als der hohe geistliche Würdenträger in seiner Rede die Greuel des Krieges und die beispielgebende Treue, sowie das selbstaufopfernde Pflichtbewußtsein unserer Kriegshelden schilderte, welche Tugenden uns noch viel mehr im friedlichen Streben stets vor Augen schweben mögen. Denn auf ihnen baut sich das Glück des Einzelnen, der Familie und Gesamtheit auf. Sie entspringen dem Glauben und Gottvertrauen und werden begleitet durch werktätige Nächstenliebe.
Prälat Franz Blaskovics
in Jahrmarkt, 29.10.1928 
Screenshot: Anton Potche
FotoQuelle: BDZ
Nach der vollzogenen Weihe des Denkmals sagten die Jünglinge Franz Nower, Sebastian Weiland und Johann Zerwes, deren Väter Kriegsopfer sind, vor dem Denkmal je einen Spruch auf. Zwei im Jahre 1918 geborne Kinder, die ihren gefallenen Vater nicht gekannt haben, sagten gleichfalls je einen kurzen Spruch auf. Frl. Anna Kökenyi, deren Vater ebenfalls gefallen ist, sprach im Namen der Ueberländer Angehörigen. Hierauf legte Gemeinderichter Josef Stefan im Namen der Bevölkerung einen Kranz auf den Sockel des Denkmals und übernahm es in die Obhut der Gemeinde.
Sodann fand die Defilierung vor dem Denkmal statt. Die Vereine und Körperschaften, die ein Fahne haben, zogen mit gesenkter Fahne vorbei. Es defilierten: etwa 400 Kämpfer aus dem Weltkriege unter Kommando des Lehrer Willwerth. der Landwirtschaftsverein (unter Führung seines Obmannstellvertreters Johann Loriß); die Gewerbekorporation (Obmann: Tischlermeister Peter Kremer); der Arbeiterverein (Obmann: Sebastian Weber); die Ortsgemeinschaft (Obmann: Josef Seibert); der Leseverein (Obmannstellvertreter: Sebastian Albinger); der Jugendverein; die ehemaligen Mitglieder des aufgelösten Schützenvereins (gewesener Obmann: Johann Wagner); der Leichenverein (Obmann: Josef Schneider); der Marienverein (Vorsitzende: Frau Witwe Marianne Kunz); der Rosenkranzverein (Vorsitzende: Frau Witwe Regina Schreiber) und die freiwillige Feuerwehr (Kommandant: Matthias Schuld), die auch für die tadellose Ordnung sorgte. 
Das Denkmal, das einen fünf Meter hohen, aus weißem Marmor verfertigten, mit Kreuz gekrönten Obelisken darstellt, ist das Werk der Steinmetzfirmen Brunner in Bruckenau und Tunner in Temeswar. Es wurde nach dem Entwurf des Jahrmarkter Maurermeisters Georg Haas ausgeführt. Die bisherigen Kosten (rund 124.000 Lei) wurden durch Spenden aufgebracht. 
An dem unvergeßlich bleibenden eindrucksvollen Totenfeste nahmen auch viele fremde Gäste Teil. So kam eine aus 250 Gläubigen bestehende Prozession aus Ueberland, geführt vom Geschwornen Johann Nischbach. Dann waren zahlreiche Gäste anwesend aus Bentschek, Billed, Bruckenau, Guttembrunn, Mercydorf, Neubeschenowa, Neudorf, Orzydorf, Sackelhausen, Sankt=Andreas, Temeswar usw. Die Schuljugend rückte unter Führung des Direktorlehrers Johann Merstorf und der Lehrer Joh. Bosch, Frau Helene Linster, Frl. Helene Linster, Anton Willwerth und Jakob Linster (Ueberland) aus. Die Kleinen des Kindergartens waren unter der Führung der Frau Elise Haupt erschienen. Unter den Gästen sahen wir noch: Vizenotär Peter Dürbeck, Arzt Dr. Hans Bürger, Tierarzt Hans Kollmer, Stationschef Stefan Bandau u.v.a. 
Nach den ergreifenden Festlichkeiten fand im Hofe des Bauern= und Lesevereines ein Bankett statt, bei welchem Notär Kemeny den Königstoast hielt. Abgeordneter Dr. Kräuter eiferte in ausführlicher Rede dazu an, die Liebe zu den Helden auch armen Angehörigen derselben zu bekunden. Dechant Anton dankte allen Gästen, namentlich dem Prälaten Blaskovics für ihre Mitwirkung zur Hebung der Feier, worauf letzterer sein Glas auf das Wohl der Gemeinde erhob.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

30. Oktober 1928

Dienstag, 7. Juli 2026

Welche Gesellschaften, Vereine und andere juridische Personen wurden anerkannt?

 
Laut einem Gesetz aus dem Jahre 1924 waren sämtliche Vereine verpflichtet, bis Jänner 1925 beim zuständigen Gerichtshofe um ihre Anerkennung als juridische Person einzukommen. Die dem Gesuche beigelegten Akten wurden von einem Einzelrichter gründlich durchstudiert und je nachdem, ob die Schriften in Ordnung befunden wurden oder nicht, erteilte der Gerichtshof den Vereinen das Recht zur weiteren Tätigkeit oder löste er sie auf. Ueber die anerkannten Gesellschaften ist beim Gerichtshof ein Grundbuch angelegt worden, in welches der Name, Zweck, Sitz oder Filiale, Gründungsjahr des betreffenden Vereines, der Akt, auf Grund dessen der Verein anerkannt wurde, der Name, die Beschäftigung und Nationalität der Direktions= und Verwaltungsmitglieder, sowie der eventuelle Vermögensstand des Vereines eingetragen wird.
Im Banate haben mehrere hundert Vereine um die Anerkennung angesucht, im vorigen Jahre sind aber nur 88 Vereine als juridische Person anerkannt und ins Grundbuch eingetragen. Diese sind:
Verband der Banater Fabriksindustriellen, gegründet in 1919; Temesvarer Filiale des siebenbürgischen und Banater Lederarbeiterverbandes (1921); Filiale des siebenbürgischen und Banater Alimentationsarbeiterverbandes (1922); […]; Jahrmarkter Gesangverein (1911); […]; Leichenverein Jahrmarkt (1889); […].

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Temesvar=Timișoara, 

10. Jänner 1926

Dienstag, 9. Juni 2026

Kriegerdenkmalweihe in Jahrmarkt

 
Am Sonntag, den 28. d. M. findet in unserer Nachbargemeinde Jahrmarkt die feierliche Weihe des von der Gemeinde gestifteten Kriegerdenkmals statt. Dompropst Franz Blaskovics wird ein Hochamt zelebrieren, bei welchem ihm die gelegentlich der Feier in Jahrmarkt anwesende Geistlichkeit assistiert. Im Rahmen derselben hält der hohe kirchliche Würdenträger auch eine den Sinn und das Wesen des Denkmals würdigende Festpredigt. Dann findet die eigentliche Denkmalweihe ebenfalls durch Dompropst Blaskovics statt. Mittags wird zu Ehren der Gäste ein Festessen gegeben. Das Denkmal stellt einen etwa fünf Meter hohen Obelisken (Spitzsäule) dar. Derselbe wurde nach den Plänen des bekannten Temeswarer Steinmetz Kornel Tunner von dem Bruckenauer Steinmetz Bruckner in weißem Marmor ausgeführt.
Kriegerdenkmal in Jahrmarkt
FotoQuelle: Jahrmarkt im Banat; 1983
Auf dem Obelisk befindet sich ein Atlas (Weltkugel). Ueber die Mitte desselben ist eine Schleife ausgespannt, selbstredent ebenfalls aus Marmor, in die die Jahreszahlen 1914 – 1918 eingraviert sind. Die Herstellungskosten des Denkmals belaufen sich auf 130.000 Lei. Aufgestellt wird dasselbe vor dem Jahrmarkter Gotteshaus. Während der Festlichkeit und des Banketts wird die dortige
Lorissche Kapelle die Musik besorgen.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

24. Oktober 1928

Dienstag, 12. Mai 2026

Kirchweihe in der Elisabethstadt

 
Gestern feierte die röm.-kath. Bevölkerung der Elisabethstadt das Fest der Kirchweihe. An den vormittägigen Gottesdiensten nahmen die Gläubigen in überaus großer Anzahl teil. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der bei ähnlichen Anlässen üblichen Volksbelustigungen, für welche in ausgiebigstem Maße gesorgt war. Auch Bischof Dr. August Pacha erschien nachmittags in Begleitung der PP. Norbert und Paulinus unter der fröhlichen Menge, die von dieser Auszeichnung und Aufmerksamkeit des Kirchenfürsten sichtlich angenehm berührt war. Ihren Abschluß fand die Kirchweihe durch eine im Novotnyschen Gasthause veranstalteten Tanzunterhaltung, bei welcher die rühmlichst bekannte Lorissche Musikkapelle von Sackelhausen volkstümliche und moderne Weisen vortrug.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

14. August 1928

Dienstag, 7. April 2026

Ein gerichtlicher Vergleich

 
Der Jahrmarkter Landwirt Josef Glaßmann schloß mit dem Kapellmeister Peter Lorisz in Jahrmarkt, mit dem er wegen einer Ziegelangelegenheit einen Streitfall hatte, bei der heute vormittags vor dem Temeswarer Landbezirksgerichte stattgefundenen Verhandlung, wobei die Jahrmarkter Landwirte Michael Zeich und Josef Muresan als Zeugen fungierten, einen gerichtlichen Vergleich ab, sodaß die Angelegenheit nun als gänzlich erledigt zu betrachten ist.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

10. Mai 1928

Dienstag, 10. März 2026

Volksversammlungen und Ereignisse in unseren Gemeinden

In Ueberland wählten sich die Deutschen folgende Ortsleitung: Ortsobmann Jakob Linster, Lehrer, Obmannstellvertreter Andreas Basting, Schriftführer Peter Procker, Kassier Michael Kasnel, Bücherwart Josef Kasnell, Nachbarschaftsobmänner: Nikolaus Warres, Ludwig Killian, Nikolaus Procker, Adam Gries und Peter Krämer.
Die Ueberländer wollen, da die Gemeinde Jahrmarkt, zu deren Pfarre sie gehören, zu weit entfernt ist, in nächster Zeit sich eine Kapelle bauen, und hoffen hierbei die vollste Unterstützung in allen schwäbischen Gemeinden zu finden, in welchen für die Ueberländer Kapelle gesammelt wird.
Am 11. v. M. hielt zugunsten des Kapellenfondes der Ueberländer Sängerverein einen mit Theatervorstellung verbundenen Kulturabend, der gut besucht war und ein schönes Erträgnis brachte. Der allgemein beliebte Lehrer Jakob Linster hat die Leitung der Aktion in Händen und ist unermüdlich daran, für seine Gemeinde das Gotteshaus zu schaffen. 

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

3. März 1928

Dienstag, 13. Januar 2026

Dilettantenvorstellung in Jahrmarkt

 
Der röm.-kath. Jugendverein zu Jahrmarkt veranstaltet am Dreifaltigkeitssonntag, den 12. Juni, abends 9 Uhr, im Gasthause „Zum Hirschen“ eine mit Tanz verbundene Dilettantenvorstellung. Der Reinertrag wird teils für Wohltätigkeitszwecke, teils für die Vereinsbibliothek verwendet. Die Musik besorgt die Loris’sche Musikkapelle. Eintrittspreise 40, 30 und 20 Lei.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 1. Juni 1927

Dienstag, 9. Dezember 2025

Der achte schwäbische Trachtenball

[...]
So war es auch am Samstag. Bei hundert Paare sind in Tracht aufmarschiert und der Aufzug bot ein prachtvolles Bild, welches sich auch später im allgemeinen Tanz erhielt zur Freude aller Gäste, als die Blechmusik den schönen Ländler blies: Etwas for die Alte … […].
Während die Gäste sich allmählich versammelten, sorgte die auf der Bühne plazierte Orzydorfer Unterwegersche Musikkapelle mit fröhlichen Weisen für die Zerstreuung. Die in schwäbischer Tracht erschienenen Damen hatten sich in einem Nebenraum versammelt; folgende Besucherinnen waren in Tracht gekleidet: Frau Dr. Gabriel, Maria Beer, Rosa Beitz […]; Jahrmarkt: Anna Bosch, Manzi Willner; […]; Uivar: Marei Franz; Warjasch: Anna Engelmann.
Die farbenreichen Trachten aus allen Gauen des schwäbischen Banates – eine reizender und schöner als die andere – boten dem Zuschauer eine prachtvolle Augenweide.
Als die Trachten sich bereits versammelt hatten, war Dr. Franz Schmitz damit beschäftigt, den Kirchweihzug zusammenzustellen. […]. Die Sackelhausener Lorissche Kapelle hatte die Ehre, die jauchzenden Kirchweihpaare in den Saal zu führen, die vom angesammelten Publikum mit lebhaftem Applaus empfangen wurden.
Als die Paare den Saal unter klingendem Spiel und lauten Juchzern mehrmals durchzogen, begab sich das anmutige Frl. Hügel, das heuer im Auftrag der vorjährigen Vortänzerin, der in Newyork lebenden Anna Wambach, den Vorstrauß in geschmackvoller Weise schmückte, in Begleitung der beiden Geldherren auf die Bühne, um die Versteigerung desselben vorzunehmen. […]. Schließlich erstand der hiesige Zahnarzt Dr. Sattler den Strauß mit 11.000 Lei und verehrte ihn Frl. Rosa Beitz, der Tochter des hiesigen allgemein bekannten Spezereihändlers Nikolaus Beitz, die in ihrer Guttenbrunner Tracht eine überaus reizende Erscheinung war.
Tosender Beifall begrüßte das neue Vortänzerpaar in seiner neuen Würde. Sodann fand auf der Bühne der Tanz mit der Vortänzerin statt, die den schönen Rosmarinstrauß glücklich lächelnd in den Händen hochhielt. […].
Damit war der offizielle Teil des Balles beendet und die Gäste verteilten sich teilweise in den Nebenräumlichkeiten, teilweise im großen Saale des Militärkasinos und im Wintergarten des Hotels „Ferdinand", womit der allgemeine Tanz seinen Anfang nahm. Im Kasino spielte die Lorissche Knabenkapelle, im „Kronprinz“ die Orzydorfer Unterwegersche Kapelle zum Tanz auf, der auf beiden Stellen in dieser Stimmung bis morgens halb 7 Uhr dauerte.
Wie alljährlich fand auch heuer eine Trachtenkonkurrenz statt, die folgendes Ergebnis hatte: den ersten Preis, einen vom Möbelfabrikanten Philipp Siebold gespendeten Damenschreibtisch aus Rosenholz, gewann Frl. Theresia Rieder aus Nitzkydorf mit 2300 Stimmen; […].

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temesvar, 1. Feber 1927

Dienstag, 11. November 2025

Ein Weinlesefest der Heiratslustigen

Die heiratslustige Jugend aus Jahrmarkt veranstaltet zugunsten des „Roten Kreuz-Vereines“ Samstag, den 16. Oktober 1926, im Seibert‘schen Gasthause ein mit Konzert verbundenes Weinlesefest, bei dem die Loriß‘sche Kapelle, die Musik besorgt. Beginn halb 9 Uhr abends.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temesvar, 13. Oktober 1926


Donnerstag, 9. Oktober 2025

Glockenweihe in Jahrmarkt

Gestern nachmittag um 6 Uhr fand in Jahrmarkt die Einweihung der dritten Glocke statt, die 6,5 Meterzentner wiegt und in der Arader Glockengießerei Hönig hergestellt wurde. Die neue Glocke kostet samt dem Glockenstuhl ungefähr 200.000 Lei, welche Summe die Jahrmarkter durch eine Sammelaktion aufgebracht haben. Die Weihe vollzog apostolischer Administrator Augustin Pacha, der nach Beendigung seiner Herbstfirmreise im Arader Komitate sich nach Jahrmarkt begab, um die neue Glocke einzuweihen. Der Kirchenfürst wurde vor dem Dorfe von der ganzen Gemeinde mit der Lorißschen Kapelle empfangen und vom Konsistorialrat Nikolaus Anton willkommen geheißen. Nach der Glockenweihe kehrte der Oberhirt in Begleitung des bischöflichen Sekretärs Dr. Josef Waltner und Konsistorialnotärs Michael Willung nach Temesvar zurück.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temesvar, 28.September 1926

Dienstag, 12. August 2025

Letzter Weg des Klosterspirituals Franz Urban

Timisoara=Temeswar, 7. September. Unter großer Beteiligung wurde gestern in Giarmata=Jahrmarkt der ehemalige Klosterspiritual im 4. Bezirk Franz Urban zu Grabe getragen. Der vortreffliche Priester, der, als er den Tod nahen fühlte, seinem Wunsch gemäß in das Elternhaus überführt wurde und auch dort starb, hatte auch den Wunsch geäußert, daß man ihn in einfacher Weise, ohne besonderen Pomp beerdigen möge. Man hielt sich auch womöglich nach diesem Wunsch und wenn auch Klosterspiritual Franz Urban in einem einfachen Holzsarg gebettet wurde, so gestalteten die Anerkennung und die Liebe dennoch das gestrige Begräbnis zu einer wahrhaft imposanten Trauerkundgebung.
Franz Urban (1893 - 1937)
FotoQuelle: Jahrmarkt im Banat, HOG Jahrmarkt, 1984
Die gesamte Bevölkerung der Gemeinde Giarmata=Jahrmarkt zog zum Begräbnis aus. Außerdem kamen zahlreiche Priester, um dem verblichenen Altarbruder das letzte Geleite zu geben; aus unserer Stadt begaben sich Vereine und Deputationen zu dem Begräbnis. Von Seiten der Geistlichkeit waren erschienen: […] der Lipova=Lippaer Spiritual Peter Strubert mit Kaplan Josef Bledy […] der Ortspfarrer Erzdechant Nikolaus Anton mit Kaplan Hönig und der Ciacova=Csakovaer Dechantpfarrer Martin Kilczer, ein Schulkollege des Verblichenen, der nach dem Wunsch des Letzteren die Trauerzeremonie vollzog. […]
Der Leichnam war im Trauerhause aufgebahrt, umgeben vom Vater und Bruder des Verblichenen. Hier vollzog Pfarrer Kilczer die Trauerzeremonie. Der Trauerzug begab sich in die Kirche, wo Erzdechant Nikolaus Anton das Libera vollzog. Dechantpfarrer Martin Kilczer begab sich auf die Kanzel und verabschiedete in rührender Weise den Verblichenen.
Nach der Trauerrede sang der Kirchenchor. Der Zug begab sich hierauf nach dem Friedhof, wo vier Priester, Julius Lamoth, Johann Schmidt, Josef Bruckler und Dr. Hoffmann, den Sarg vom Leichenwagen hoben und bis zum Grab trugen. Dort vollzog Pfarrer Kilczer die noch übliche Trauerzeremonie und es sangen die Aspirantinnen der Schulschwestern und der gemischte Chor von Giarmata=Jahrmarkt je einen Trauerchor. Dann wurde der Sarg in das Grab gesenkt.

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 8. September 1937

Dienstag, 8. Juli 2025

Fahnenweihe in Giarmata

Fahnenweihe des Deutsch-Katholischen
Männergesangvereins, Jahrmarkt, 1935
Im Festzug v. l.: Josef Lalitsch,
Margarete Ferling,
Kantorlehrer Ludwig Mersdorf
FotoQuelle: Jahrmarkt im Banat
  Das Dorf rings um den "Großen Brunnen",
HOG Jahrmarkt, Osthofen 1983
Die gestern abgehaltene Fahnenweihe des Männergesangvereines in Giarmata nahm einen imposanten Verlauf. Am Vorabend wurden der Fahnenmutter Frau Grete Ferling geb. Strubert, Gattin des Apothekers Jakob Ferling, den Behörden und den Vereinsvorständen Serenaden dargebracht. An dem Fest beteiligten sich 20 Gesangvereine mit etwa 600 Sängern. Die Feldmesse hielt Ortspfarrer Erzdechant Nikolaus Anton, der auch die Weihe der Fahne vornahm. Den gesanglichen Teil besorgten der gemischte Chor aus Covaci und der Timisoaraer Schubert - Liederkranz. Die Festrede hielt Bundesobmann Prof. Hans Eck. Die Generalversammlung der Zelter–Gruppe des Banater Deutschen Sängerbundes fand unter dem Vorsitze des Gruppenobmannes Apotheker Julius Schneider (Recas) statt. Beim Festessen hielt der älteste Sänger des Gyarmataer Gesangvereines Staß den Königstoast. Tischreden hielten ferner Dr. Jakob Koch (Timisoara), Lehrer Willwert, Kaplan Eugen Mersdorf (Jimbolia), Lehrer Ludwig Slovic (Anina), Kaplan Josef Witye, Dr. Hans Mayer (Timisoara), Mühlenbesitzer Nikolaus Bosch (Timisoara) und Erzdechant Anton. Das Festkonzert war hervorragend gut besucht und wies einen schönen Erfolg auf. Die Feierlichkeit, deren Hauptarrangement in den Händen des Sängerpräses Josef Lalitsch lag, wurde mit Tanz abgeschlossen.

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 3.September 1935


Dienstag, 10. Juni 2025

Pfarrerinstallierung in Jahrmarkt

 
Apostolischer Administrator Augustin Pacha begab sich Samstag nachmittag in Begleitung des Konsistorialnotärs Michael Willjung nach Jahrmarkt, um die Missionen zu beendigen und den neuen Pfarrer zu installieren. Der Kirchenfürst wurde auf der Station von einer großen Menge mit Musik empfangen. Der Einzug gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug, indem der Oberhirt auf dem Vierspänner des Matthias Zink von 30 Wägen begleitet zum Pfarrhause fuhr, wo abends die Keltersche Streichkapelle und der Gesangverein unter Leitung des Schuldirektors Merstorf ein Ständchen gab. Sonntag vormittag erfolgte die feierliche Installation des Pfarrers Nikolaus Anton, welche apostolischer Administrator unter Assistenz des Rekascher Dechantpfarrers Gustav Dietl, des Dechantpfarrers Johann Wegling aus Orzydorf sowie der Pfarrer Johann Pflug aus Bruckenau und Paul Kadak aus Covacsi vornahm und dem neuen Pfarrer den Treueeid abnahm. Die Predigt hielt ebenfalls apostolischer Administrator Pacha über die Pflichten und Aufgaben des Pastors und der Gläubigen. Nachher fand auf der Pfarre eine Aufwartung des Ortsvorstandes, der Lehrerschaft, des Gesangvereines, des Bauernvereines, der Sparkassa und des Leichenvereines statt, bei welcher Gelegenheit Lehrer Andreas Willwerth den Kirchenfürst begrüßte.
Loris-Kapelle im Jahre 1923
FotoQuelle: Mathias Loris (Hg.) -
100 Jahre Loris-Kapelle
Screenshot: Berns Toni
Beim Mittagessen, an welchem sich Oberstabsrichter Paul Chirilovics, Gemeindenotär Adam Kemeny, Steuernotär Peter [...], Gemeinderedner und Kultusgemeindepräsident […] Eichinger, der Kassier der Kultusgemeinde Johann Haas beteiligten, wurde zugleich der Namenstag des neuen Pfarrers gefeiert. Die Tafelmusik besorgte die Lorissche Musikkapelle. Am Schlusse sei noch erwähnt, daß apostolischer Administrator Pacha den neu installierten Pfarrer zum Konsistorialrat ernannte.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temesvar, 8. Dezember 1925


Dienstag, 13. Mai 2025

Festtag des deutschen Liedes in Orawitza

 Jubiläum des Orawitzer Gesangvereines und des Deutschen Sängerbundes – Massenaufmarsch deutscher Sangesbrüder

Temesvar, 14. August

Bei günstiger Witterung fand gestern in Orawitza der große Tag der Banater deutschen Sängerschaft statt. […] Fast dreißig Vereine aus allen Teilen des Banates erschienen korporativ, während 15 Vereine deputativ vertreten waren, die alle mit Begeisterung und Hingabe dem deutschen Liede huldigten. Massenchöre, Einzel= und gemischte Chöre sangen ihre Lieder, die von Volk, Heimat und Gott, von deutschem Sinn und deutschem Geist durchwoben waren. […].

Empfang der Gäste

Als der Sonderzug in dem Bahnhof des kleinen Bergstädtchens einlief, wurden die Gäste von den Klängen der Resitzaer Werkkapelle empfangen und begrüßt. Am Bahnhof wurden die Angekommenen, etwa 1200 an der Zahl, vom Obmann des Orawitzaer Musik= und Gesangvereins, Rechtsanwalt Dr. Josef Szabo, begrüßt. […].

Bekanntschaftsabend

Nachher folgte der Bekanntschaftsabend im sogenannten Schützengarten. Hier sang jeder korporativ erschienene Verein je ein Lied, welches mit dem Sängergruß des jubilierenden Orawitzaer Vereines eingeleitet wurde. Um ein Uhr war diese Vorfeier beendet. 
Der nächste Tag begann um sechs Uhr mit einer Tagwache, dann weiterer Empfang der noch angekommenen Gäste und Vereine. 
Zu dem Sängerfeste waren folgende Vereine erschienen: Deputativ Philharmonischer Verein Karansebes, vertreten durch Ing. Palik, Eugen Brazsda, Karl Twerasser, Herr und Frau Katz, […], Gesangverein Jahrmarkt durch Michael Zimmerer und Georg Staß, [...].

Festversammlung

Um 11 Uhr wurde im Schützengarten die Festversammlung eröffnet. Dies geschah mit der Nationalhymne in deutscher Sprache durch einen Massenchor vorgetragen und von Professor Josef Linster dirigiert. […].

Die Festrede

Geschäftsführender Obmann, Professor Hans Eck, erstattete einen Tätigkeitsbericht. Er tadelt vor allem die Undiszipliniertheit, die unter manchen Sängern herrscht, und gebraucht harte Worte. […].

Die Grüße der Siebenbürger Sachsen
Nach der Rede Professor Hans Eck‘s spricht Professor Ihl aus Bistritz, Vorsitzender des Siebenbürgisch=deutschen Sängerbundes. Er übermittelt die herzlichen Glückwünsche des sächsischen Volkes. […].

Bankett

Mittags am Bankett im Garten des Hotel „Krone“ sprach Komitatspräfekt Dr. Max Radovan den Königstoast, Bürgermeister Prof. Elias Rusmir sprach im Namen der Stadt einige herzliche Worte. […].

Preissingen

Am Nachmittage erfolgt ein Preissingen um den Dittrich-Pokal und um die von Dr. Franz Schmitz gestiftete Plastik „Mutter und Kind“, für das schönste deutsche Mutterlied. Den Pokal gewann die Hatzfelder Landestreu, während die schöne Plastik, die übrigens ein Werk des Banater Künstlers Sebastian Rotschink ist, dem Gertianoscher Gesangverein zuerkannt wurde. […].
Abends als Abschlussfeier fand auf dem Sportplatz eine Weihstunde statt, die mit andächtigster Feier begangen wurde.

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 15. August 1933


Dienstag, 8. April 2025

Imposante Tagung der katholischen deutschen Frauen

 Kundgebung für Kirche und Volkstum

Temesvar, 30. Mai.

Die gestrige Tagung der katholischen deutschen Frauen Temesvars und des Banates war ein Ereignis von ganz besonderer Bedeutung. Tausende schwäbische Frauen und Mädchen strömten aus allen Gauen des Banates nach Temesvar, um ihre enge Verbundenheit mit Kirche und Volkstum in eindeutiger Weise kundzugeben. […] Kirche, Frau und Volkstum war das Motto dieser Tagung, bei der zwischen diesen lebendigen Begriffen seelische Querverbindungen hergestellt wurden, die für das Streben und Wirken der werdenden schwäbischen Generation des Banates ein sicheres Fundament zu bieten vermögen. […] Der Hinweis der Schwester Dr. Hildegardis Wulf – übrigens die Seele der ganzen Veranstaltung – auf die Tatsache, dass nicht Reichtum und Geld, nicht Flitter und eitler Tand den neuen Menschen ausmachen, sondern die inneren Werte des einzelnen die sittlichen Grundlagen eines Volkes sind, dürfte hoffentlich auch von jenen verstanden worden sein, die praktische Volkstumarbeit leisten wollen. […]

Gemeinsamer Abmarsch in den Fabrikshof

Schon in den frühen Morgenstunden kamen aus allen Richtungen Autobusse am Domplatz an. 56 katholische Frauenvereine und Mädchenkränze waren erschienen, um an der in der Domkirche vom Bischof Pacha zelebrierten Messe teilzunehmen. […] Nach der Messe formte sich der Zug in größter Ordnung und Disziplin zum Abmarsch. In Doppelreihen ging es zum Fabrikshof, wo die eigentliche Tagung stattfand. Es war ein schönes, buntes Bild, als der Zug schwäbischer Frauen und Mädchen in Tracht unter dem klingenden Spiel der Schülerkapelle der Banatia durch die Straßen zog. 
Im Fabrikshof war bereits eine große Menge Gäste anwesend, als der Zug dort eintraf. […] Als Einleitung spielte das deutsche Orchester unter der sachtüchtigen Leitung des Professors Eck die Ouvertüre aus dem Freischütz, worauf das Lied der Jugend Flamme empor gesungen wurde. […] Nach dem Chorlied Wachet auf vom Singkreis (Dirigent Prof. Eck), hielt eine schwäbische Frau, und zwar Barbara Schmalz aus Neuarad, einen hinreißenden Vortrag über die Frau und Familie. […] 

Preissingen

Es fand ein Preissingen statt, an dem verschiedene Vereine teilnahmen. Das Preiskomitee, aus Prof. Hans Eck, Frau Marianne Brandrup und Theologieprofessor Kühn bestehend, hat die Preise wie folgt zugesprochen. I. Preis: Freidorf (Chorleiter Ing. Weißgerber), den II. Preis Kovácsi (Leiterin Mimi Sziveri), den III. Preis bekam Jahrmarkt zugesprochen (Chorleiterin Maria Willwerth).

Abendfeier und Abfahrt

[…] Mit dem gemeinsamen Gesang Großer Gott wir loben dich fand das Fest sein Ende. [...]

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 31. Mai 1932

Dienstag, 11. März 2025

Große Jugendtagung in Sackelhausen

 3000 Jungens beraten. - Imposante Festlichkeiten.

Temesvar, 24. August.

Die schöne deutsche Gemeinde Sackelhausen in der Nachbarschaft unserer Stadt hatte gestern wohl einer ihrer größten Festtage. Die Banater deutsche Jugend kam hier auf einen Tag zusammen, um sich kennenzulernen, auszusprechen und alle Fragen durchzuberaten, die sie angeht. Vor der im Jahre 1772 erbauten Kirche, wo sich das Kriegerdenkmal befindet, auf dem die Namen der im Weltkrieg gefallenen 131 tapferen Söhne der Gemeinde verewigt wurden, spielte sich die Tagung gewissermaßen als Symbol der Treue zur Kirche und Pflichterfüllung dem eigenen Volke gegenüber ab. Hinter der Kirche entstand durch die mühevolle Arbeit der Mitglieder des dortigen Jugendvereines ein etwa 3000 Menschen fassendes Zelt, welches Schutz gegen Regen und Sonne bot. […] 56 deutsche Jugendvereine mit gleichen Zielen und Bestrebungen gaben sich in Sackelhausen ein Treffen, zu dem 49 Vereine korporativ, die übrigen aber deputativ erschienen waren. […]

Der Begrüßungsabend. 
Schon Samstag nachmittags herrschte reges Treiben in der Gemeinde. Der größte Teil der erwarteten Gäste traf bereits Samstag ein. Am Nachmittag kam auch in Vertretung des erkrankten Bischofs Domprobst Franz Blaskovics, den Gemeinderichter Dimster begrüßte. Im Jugendvereinsheime fand eine schlichte aber sehr erhebende Feier statt, in der die Verdienste des Sackelhausener Direktorlehrers Adam Weidmann, der nun schon seit 25 Jahren an der Spitze des Sackelhausener Jugendvereines steht und dessen Gründer war, gewürdigt wurde. […]
Der Begrüßungs= resp. Bekanntschaftsabend wurde, sowie alle Festlichkeiten, in dem zu diesem Zwecke erbauten Zelt abgehalten. Der Jugendobmann Josef Potje begrüßte in kurzen kernigen Worten die Brudervereine im Namen des Sackelhauser Jugendvereines. Nachher gab Direktor Josef Nischbach seiner Freude über das zahlreiche Erscheinen der Jugend im Namen des Jugendbundes Ausdruck. […] Pfarrer Albert Stehlin aus Deutschland begrüßte im Namen des deutschen Mutterlandes die Banater deutsche Jugend. Nach den Begrüßungen führten die Quickborner (eine Jugendgruppe aus Deutschland), nach den Klängen der beliebten Lorisschen Kapelle Volkstänze vor. Der spät eingetroffene Freidorfer Jugendverein, der auch eine starke Kapelle unter der Leitung des Kapellmeisters Franz Klein mitbrachte, spielte noch einige Lieder als Entschädigung, da er anläßlich der gestrigen, Freidorfer Kirchweih, an der Jugendtagung nicht teilnehmen konnte. […]

Der Festtag.

Schon in den frühen Morgenstunden war die ganze Gemeinde und die Gäste auf den Füßen. […] Die Jugendvereine und Mädchenkränze, die an der Jugendtagung teilnahmen, stellten sich vor dem Jugendvereinsheim in folgender Reihenfolge auf: Sackelhausen, Albrechtsflor, Bakowa, Bentschek, Baratzhausen, Billed, Blumenthal, Freidorf, Gertianosch, Groß=Scham, Glogowatz, Groß= und Neusanktpeter, Guttenbrunn, Kath. Mädchenkranz Sankt=Gertrudis Johannisfeld, Jahrmarkt, Kleinbetschkerek, Kovacsi, Klein St.=Peter, Königshof, Deutsch Sankt=Michael, Jugendverein und Mädchenkranz Lovrin, Marienfeld, Moritzfeld, Merzydorf, Moravitza, Neu=St.=Peter, Neu=St.=Anna, Neukischoda, Neupecs, Neuarad, Neubeschenowa, Perjamos, Resitza, Rekas, Steierdorf, St.=Andreas, Segenthau, Schag, Temesvar „Banatia“, Temesvar=Mehala, Tschakova, Varjas, Wiesenheid und Zaderlach. Außer diesen beteiligten sich noch an der Festlichkeit: Die Voiteker Ackerbauschule, die Temesvarer Lehrerpräparandie, der Hatzfelder „Landestreu“, eine Quickhorner=Wandergruppe aus Freiburg, eine Junglehrergruppe aus Skt.=Pölten, Österreich, und zahlreiche Akademiker. [...]

Die Festsitzung.

Die Festsitzung wurde vor einer 3500 Köpfe zählenden Menschenmenge eröffnet. Nach den einleitenden Worten sprach Direktor Nischbach über die Bedeutung der Jugendbewegung und erörterte auch die Frage: „Ist man berechtigt bei der jetzigen Wirtschaftsnot derartige Feste zu unternehmen?“ Er bejahte diese Frage mit der Begründung, daß das Werk der Seelenerfrischung nicht erlahmen dürfe und die geleistete Arbeit der Jugend durch die Jugendtreffen nur gefestigt wird. […] Es sprachen noch Prof. Hans Weresch, Senator Dr. Kaspar Muth. Besonders guten Eindruck machten die kernigen, von großer Begeisterung getragenen Worte der Jugendobmänner Johann Kühn und Emil Jevitzky. […] Die nächste Jugendtagung, die in Neu=Arad stattfinden wird, wurde für den 14. August 1932 festgesetzt. […] Als Schluß der Tagung führten einzelne Jugendgruppen Theaterstücke auf. […] Die schöne Tagung fand mit einer gelungenen Tanzunterhaltung ihren Abschluß.

* * *

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 25. August 1931

Dienstag, 11. Februar 2025

Sct. Josef-Fest in Jahrmarkt

 
Wie aus Jahrmarkt gemeldet wird, wurde gestern das Patronatsfest der Kirche, der Tag des hl. Josef in feierlicher Weise begangen. Dechantpfarrer Nikolaus Anton trug Sorge dafür, daß die Bevölkerung Gelegenheit habe, sich zu diesem Feste in gehöriger Weise vorzubereiten. Ueber sein Ansuchen hielt der Elisabethstädter Pfarrer, Provinzial der Salvatorianer P. Norbert Kerl dem Feste vorhergehend eine dreitägige Andacht, abends mit Predigten, die stets sehr gut besucht waren. Es waren 600 Beichtende zu verzeichnen. Gestern fand dann ein Festgottesdienst statt, welchen Dechantpfarrer Anton unter Assistenz des Neudorfer Pfarrers Franz Scheibert, des Bruckenauer Pfarrers Johann Pflug und des Kaplans Anton Csik zelebrierte. Die Festpredigt hielt Pfarrer Scheibert. Die ganze Gemeindebevölkerung war zugegen. Es rückten unter klingendem Spiel die freiw. Feuerwehr, der Jugendverein etc. aus.

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 21. März 1930


Dienstag, 14. Januar 2025

200 Jahre Schwabentum im Banat.

Festlichkeiten in Temesvar.

Temesvar, 10. September

Dichtungen sind beseelte Naturerzeugnisse, die mit Notwendigkeit aus verschiedenen Faktoren hervorgehen: aus dem Zeitbewußtsein (den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zuständen), aus der Rasse, aus dem Volkstum, der Heimat, aus der häuslichen Umwelt und aus der Persönlichkeit des Dichters selbst, als der innersten bestimmenden Triebkraft. Dieses Wesen der Dichtung wird bei der Zweijahrhundertfeier des Schwabentums wach, als scharfer Charakterzug eines Volkes, das überall, wohin es seinen Fuß hinsetzt, die Natur beseelt, mit seiner inneren Triebkraft Blüte und Reichtum, Kultur erstehen läßt. Aus dem Boden im Banat, den der Schwabe sich gewählt, sind in den zweihundert Jahren rastloser Arbeit Naturschätze geborgen worden, entsprangen wirtschaftliche und geistige Werte, deren Umfang immer größer, deren Auswirkungen immer intensiver wurden.
[…]
Festsitzung.
Ueber den Verlauf der Festlichkeiten berichten wir wie folgt: Auf zahlreichen Häusern wehte die Staatsfahne und auf denen der Volksgenossen auch die rotgoldgehaltene schwäbische Fahne. Die Festlichkeiten setzten Freitag abends mit einem Bekanntschaftsabend im Hotel „Krone“ ein, in deren Mittelpunkte der Hochschülerkommers stand, den der Med. cand. F. Klingler eröffnete. Dr. Graßel aus Jugoslavien übermittelte die Grüße der dortigen Deutschen, ein Student aus Württemberg die Grüße der alten Heimat. Anwesend waren auch die sächsischen Parlamentarier Rudolph Brandsch, Dr. Hans Otto Roth, ferner Emil Neugeboren, einige Professoren aus Szatmar und ein Balte. Der Hermannstädter Männergesangverein „Hermania“ war vollzählig erschienen und löste mit der herrlichen Wiedergabe der Gesänge Wies daheim war und des Müller=Guttenbrunnschen Schwabenliedes frenetischen Beifall aus.
[…]
Hierauf sangen der Steierdörfer Bergmänner=Gesangverein, der Steierdörfer Männergesangverein, der Temesvarer Deutsche Gesangverein, sowie die Neupecser, Modoser und Mehalaer Männergesangvereine unter Leitung des Dirigenten Karl Reiter die Königshymne mit deutschem Text, die durch die Gäste stehend angehört wurde. Prälat Franz Blaskovits würdigte die Tugenden des schwäbischen Volkes, pries dessen Fleiß, Ordnungsliebe und Gesetzesachtung, dessen Treue zum Lande, in welchem es lebt, die ehrfurchtsvolle Treue und Anhänglichkeit des braven Schwabentums zum Thron und beantragte, Sr. Majestät dem König ein Huldigungstelegramm zu senden.
Die ganze Festversammlung erhob sich und brach in ein dreimaliges Hoch auf den König aus.
Die Gesangvereine brachten hierauf das Lied Das ist der Tag des Herrn zum Vortrag.
[...]
Der Festzug.
Den Glanzpunkt des Schwabenfestes bildete der grandiose Festzug, der gestern vormittag durch die Straßen unserer Stadt zog.
[…]
Fünfundzwanzigtausend Menschen waren im Festzug. Die meisten Gemeinden des rumänischen Banates, ungefähr 100 an der Zahl, waren mit großen Abordnungen vertreten. Dreißig Musikkapellen und zumindest ebensoviel Gesangvereine nahmen im Festzug teil, der allen, die ihn gesehen und bewundert haben, ein unverwischbares Erlebnis bleiben wird.
[…]
Den Zug selbst eröffnete die Orzydorfer (Unterweger)=Musik, der 150 Reiter folgten mit der rot=goldenen Schärpe um die Schulter.
[…]
Im historischen Teil des Zuges fand auch die Schwarzwäldergruppe besonderes Gefallen. […] Voran marschierte die Musik von Sackelhausen.
[…]
Die gelungene Faschingsgruppe aus Sackelhausen mit der Musik aus Jahrmarkt löste Heiterkeit aus. Die Schnittergruppe aus Jahrmarkt war lebensecht, ebenso die Gemüsegruppe aus Lovrin.
[...]
Lenauheim schickte einen Lenaufestwagen, Guttenbrunn einen Adam Müller=Guttenbrunn=Wagen, auf welchem das reisigumrahmte Bildnis des „Erzschwaben“ platziert war. Der Hermannstädter Gesangverein „Harmonia“ marschierte unter Führung des Prof. Dr. Konnerth, ferner der Steierdörfer Bergmänner=, der dortige Gesangverein, der Aninaer Arbeiter= Gesangverein mit ihren Fahnen unter klingendem Spiel im Zug, während die übrigen Männergesangvereine sich in den Gruppen ihrer Gemeinden eingegliedert hatten. 
In der Trachtengruppe der Gegenwart kamen erst Neusiedl a. d. Heide mit Musik, dann Neuarad, die Männer mit Silberknöpfen am Gewand. Die Lieblinger waren mit dem evangelischen Pfarrer Michael Wolf sehr zahlreich vertreten. Im farbigen Hochzeitszug ging die Braut allein voran, ihr folgten die Kranzelpaare, die Weiber, dann der Bräutigam und die Männer, zum Schluß eine lustige Gruppe. An der Spitze schritt die Musik. […] Die „Nächstenliebe“=Tischgesellschaft Temeswar kam mit Musik.
[…]
Festmesse und Festpredigt am Domplatz.
[…]
Der apost. Administrator las die Festmesse, wobei der Marienfelder Kirchenchor mit dem Orchester unter Leitung des Kantors Schlier den choralen Teil überaus schön sang.
[…]
Zum Schluß stimmte der apost. Administrator ein klangvolles Tedeum laudamus an, das der Klerus und die Anwesenden mitsangen.
[…]
Die Feier am Domplatz endete mit dem Heil dir mein Heimatland, das mit Orchesterbegleitung von den Priestern und den Deutschen weithallend gesungen wurde.
[…]
Die weiteren Festlichkeiten.
[…]
Sonntag abends veranstaltete die Sackelhausener Knabenkapelle mit dem Kapellmeister Loriß vor dem deutschen Hause einen Zapfenstreich. Hernach fand im Sommertheater unter Mitwirkung der Warjascher Jugend und des Marienfelder Kirchenchors eine Theatervorstellung statt.
[…]
In der Reihe der Festlichkeiten sei noch das gestern nachmittag im Fabrikshof stattgefundene Wettsingen erwähnt, an welchem folgende Gesangvereine teilnahmen: aus Varjas (Dirigent Hora), Hodony (Dittrich), Neusiedl (Bosch), Lugos (Wallisch), Sarafalva (Leßl), Hermannstadt (Stubbe), Kleinjecsa (Eck), Gyertyamos (Ballauer), Arbeiter Gesangverein Anina (Dudl), Steierdorf (Babiak), Neupecs (Mathias), Mehala (Reiter), Schöndorf (Weber), Segenthau (Eisele), Marienfeld (Wittmann). Außerdem spielte die Orzyidorfer Unterweger‘sche Musik. Es sprachen Wilhelm Koppony und andere Führer des Schwabentums.

aus TEMESVARER ZEITUNG, Temesvar, 11 September 1923

Dienstag, 10. Dezember 2024

Baron Béla Ambrózy †. (3)

Gyarmatha, 20. Jänner. 
Vivos voco, mortuos plango.
Dumpf, klagend erdröhnt die Glocke des Gyarmathaer Kirchenturms, die ihres Vaters beraubte verwaiste Gemeinde zur düsteren Leichenfeier einladend.
Vivos voco! Sie ruft die Ueberlebenden, die in tiefem Schmerz trostlos Zurückgebliebenen herbeizueilen, daß sie dem schlichten und doch so großen Sohne der Gemeinde das letzte Geleite geben, wenn sein müder, gebrochener Körper wieder dem Schoße der Muttererde zurückgegeben wird.
Mortuos plango! Sie beweint den Verstorbenen, der nach einem so thatenreichen, an Erfolgen so glänzenden Leben die Stätte seiner Arbeitsamkeit zurücklassen mußte, bevor sein Lebenswerk noch ganz beendet war.
Vivos voco! Sie mahnt die an der Grabstätte versammelten Lebenden, bei der Rückkehr zum Alltagsleben eingedenk zu sein der Tugenden, welche sie jetzt pietätsvoll anerkennen und sich den Lebenslauf des Verblichenen zum Muster zu nehmen.
Mortuos plango! Sie klagen an der Grabstätte des Verblichenen, daß es das Schicksal so gefügt, daß er seine Gemeinde, seine Kinder verlassen mußte für ewige Zeiten.
Und aus allen Hütten und Wohnungen Temesgyarmathas hat sich die Klage der schlichten Insassen mit den wimmernden, jammernden Tönen der Kirchenglocke vermengt.
Baron Béla Ambrózy
im Jahr 1905
[…] 
Tausende sind in dem alten Herrenhause versammelt, tausende geleiten den prunkvollen Todtenwagen nach der Familiengruft, deren Thore sich dumpf dröhnend hinter dem neuen Insassen schließen.
Baron Béla Ambrózy ist zu seinen Vätern heimgekehrt!
Er ruhe sanft!


Die Kondolenzen.

[…]
Die Trauergäste.
Die Trauergäste trafen zum Theil schon gestern ein. Das Gros derselben traf jedoch heute Vormittag mit dem fahrplanmäßigen und einem Extrazuge ein. […]. Es gelang uns von der großen Anzahl der Erschienenen folgende Personen zu notiren:
Geheimrath Graf Andreas Csekonics, Ministerialrath Georg v. Radisich des Ackerbauministeriums, Reichstagsabgeordneter Karl Hußár und Gemahlin geb. Baronesse Georgina Ambrózy, Baron Julius Ambrózy, […], bischöfl. Sekretär Augustin Pacha, Dechantpfarrer Franz Demele (Gyarmatha), […].

Die Trauerzeremonie.

Als die Trauergäste im herrschaftlichen Kastell angelangt waren – es war mittlerweile ½ 11 Uhr geworden - und die Führer der Deputationen sowie einzelne Persönlichkeiten dem Sohne des Verstorbenen, Baron Andor Ambrózy, kondoliert hatten, nahm Senior Béla Kramár die Einsegnung der Leiche vor.
[…]
Nachdem der Priester seine Rede mit einem Gebete beendet hatte, verabschiedete sich Namens des Temeser Komitates Vizegespan Alexander Ferenczy von dem Verstorbenen.
[…]

Der Leichenzug.

Nachdem die Worte des Vizegespans verklungen waren, wurde der Sarkophag auf den vierspännigen Leichenwagen der Gemeinde Gyarmatha gehoben und der vom Geschäftsführer Béla Sebes der Emerich Varga‘schen Leichenbestattungsunternehmung „Szent=Margit“ arrangirte schier endlose Trauerzug setzte sich in Bewegung.
An der Tête marschirte die Musikkapelle des 61. IR, die den Beethoven‘schen Trauermarsch intonierte, sodann folgte ein Zug der Ehrenkompagnie des 61. Infanterie-Regiments unter dem Kommando des Hauptmanns Abraham. Anschließend marschirte die Temesvárer und Temesgyarmathaer Feuerwehr mit der Musikkapelle der letzteren, weiters eine Abteilung des Temesgyarmathaer Schützenkorps mit der Musikkapelle. Zwischen einer Spalier von Schützen und der Vertreter der Gemeinderepräsentanz unter Führung des Gemeindenotärs Johann Szánthó kamen der mit Kränze beladene Blumenwagen und der Leichenwagen. Dem Sarge voran wurden auf zwei Samtpölstern die zahlreichen Orden und Medaillen Ambrózys getragen. An den Außenfronten zu beiden Seiten des Leichenzuges schritten Hausoffiziere der Entreprise mit brennenden Flambeaus und den Wappenschildern des Verewigten. 
Dem Sarge folgten sodann die Familienangehörigen und die erschienenen Notabilitäten, während als Abschluß des Konduktes der zweite Zug der Ehrenkompagnie des 61. Infanterie-Regimentes schritt.
Natürlich gab die Bevölkerung Gyarmathas dem verstorbenen Grundherrn fast vollzählig das letzte Geleite.
Während der Trauerzug sich dem Gottesacker näherte, erdröhnten aus der Ferne dumpfe Böllerschüsse zum letzten Abschied von der Heimathsgemeinde Temesgyarmatha.
Vor der Familiengruft machte der Zug Halt und Seelsorger Franz Bohns segnete hier nochmals die irdischen Ueberreste ein. Ein kurzes ergreifendes Gebet, ein Salutschuß der Truppe und die Thorflügel der Familiengruft schlossen sich für immer hinter weil. Béla Ambrózy.

Die Trauergäste verließen noch mit dem Mittagszuge den Ort.

aus TEMESVÀRER ZEITUNG, Temesvár, 21. Jänner 1911