Dienstag, 1. September 2026

Kaindl-Archiv erscheint weiter

 
So manche landsmannschaftliche Kultursäule wurde von den Sparmaßnahmen der Bundesregierung zertrümmert. Dass bei den Kürzungen oder Kappungen der Gelder nicht immer nach konsequenter Linie verfahren wurde, belegt der Fall des Bukowina-Instituts in Augsburg. Diesem hat man im März 1999 die Bundesförderung gestrichen und im Juli 2000 als sogenannte Projektfinanzierung wieder bewilligt. Eine lobenswerte Inkonsequenz ermöglichte unter anderem das Erscheinen der Nummer 43 und 44 des Kaindl-Archivs, der Zeitschrift des Bukowina-Instituts für den Kulturaustausch mit den Völkern Mittel- und Osteuropas. Wie herzhaft dieser Kulturaustausch propagiert wird, zeigt uns der in beiden Nummern veröffentlichte Aufruf zum „Bundeskulturtreffen 2001 in der Bukowina“. Diese Veranstaltung wurde vom 10. bis 17. Juni in Zusammenarbeit des Bezirksrates Suceava, der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen (Bukowinadeutschen) und des Bezirkstages von Schwaben organisiert; eine Initiative mit wahrlich europäischer Prägung, die sich nahtlos in die dauerhafte Präsenz des Namens Bukowina in den deutschen Kulturmedien einreiht und das Land am östlichen Rand der ehrwürdigen und an Verklärtheit wohl kaum noch zu überbietenden Habsburger Monarchie für so manches kulturbeflissene Menschenkind höchst interessant erscheinen lässt. Dass der Umgang mit dem Kultur- und besonders Literaturerbe der Bukowina nicht unproblematisch ist, zeigt eine kritische Auseinandersetzung Dr. Ortfried Kozians mit einer Sendung des Deutschlandfunks über „Die jüdische Kulturmetropole Czernowitz“ (Nr. 43).
Es weht übrigens im Allgemeinen ein europäischer Geist durch die meisten Beiträge dieser Hefte. Zwar weniger im Sinne neu beschworener „europäischer Visionen (Livio Missir di Lusignano: Die „Respublica Europaea“ von Michel Foucher; übersetzt aus dem Italienischen von Christian Geier), aber immerhin als Anstoß zu einem hoffentlich fruchtbaren Lernprozess kann man die Zeitzeugenberichte Karoline Seebergers und des Bukowiner Pfarrers Ferdinand Weber bewerten (Nr. 43).
Mit den Völkern Osteuropas auf dem Weg zu einer europäischen Identität?“, fragt Rainer A. Roth imperativisch in einem bemerkenswerten Essay (Nr. 44). Er kommt zur Schlussfolgerung, dass bei aller Europabegeisterung das Bedürfnis der Menschen nach bekundeter Nationen- und Stammeszugehörigkeit wahrscheinlich auch weiterhin eine entscheidende Rolle im Gestaltungsprozess Europas spielen wird.
Im Kaindl-Archiv Nr. 44 nimmt ein mit Notenbeispielen gespickter Bericht von Norbert Gaschler über Die ersten Gebets- und Gesangbücher für die deutschen Katholiken der Bukowina 23 Seiten in Anspruch. In den zwei durchnummerierten Heften (Nr. 43 Seiten 97 bis 144 und Nr. 44 Seiten 145 bis 192) werden Bücher rezensiert und Jubilare geehrt.
Wer Interesse an dieser Kulturzeitschrift hat, kann die Telefonnummer 0821 / 577067 wählen. Er wird unseren Jahrmarkter Landsmann Luzian Geier antreffen und seine Bestellung abgeben können. Schriftlich kann man das über folgende Anschrift tun: Bukowina-Institut , Alter Postweg 97a, 86158 Augsburg. E-mail: bukinst@t-online.de.

Anton Potche

aus BANATER POST, München, 10. Juli 2001


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