Dienstag, 11. Mai 2021

Johrmarker Sprich un Sprichelcher - 155

 Erwes, Bohne, Linse, wie merr se kocht, 
so sin se.

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Gsammelt vum Frombach Franz alias Gerwer Franz  (1929 - 1999)

Dienstag, 4. Mai 2021

Landesfestival „Cîntarea României“

 Wettbewerbs-Sonntag

Eine großangelegte Veranstaltung des Landesfestivals „Cîntarea României“ fand am Sonntag in Temeswar statt. Es beteiligten sich Kulturgruppen und Solisten, die in der Kreisphase des Wettbewerbs Spitzenplätze belegt hatten und sich nun innerhalb einer neuerlichen Wettbewerbsveranstaltung um die Teilnahme an der Landesphase des Festivals bewarben, insgesamt 2.500 Laienkünstler, Rumänen, Deutsche, Ungarn, Serben und Angehörige anderer Nationalität, die mit ihren besten Leistungen vor das Publikum und die Jury traten. In Anbetracht der großen Teilnehmerzahl und der unterschiedlichen Genres, die zu erfassen waren, fanden die Darbietungen dieses Festival-Sonntags am Vormittag und Nachmittag gleich in mehreren Sälen statt. Das Ion-Vidu-Kunstlyzeum beherbergte die Auftritte der Chor- und Kammermusikgruppen, unter ihnen der Temeswarer Schubertchor unter der Leitung seines neuen Dirigenten Franz Metz. Im Modex-Saal war im Bereich Unterhaltungs- und Estradenmusik auch das Hans-Mayer-Orchester aus Großsanktnikolaus zu hören, im Opernsaal (Choreographie, Blasmusik) traten u. a. die Jahrmarkter Kaszner-Kapelle und die schwäbische Volkstanzgruppe des Temeswarer Eisenbahnerklubs auf. Im Deutschen und Ungarischen Staatstheater und im Puppentheater waren die Thaliajünger, die Puppenspieler sowie Rezitatoren zu Gast, unter ihnen die Lowriner, die sich mit einer deutschen Gedichtmontage zum Wettbewerb stellten.

Screenshot: Anton Potche

Die Darbietungen in ihrer Gesamtheit veranschaulichten die Tatsache, dass sich im Laufe der bisherigen Festival-Veranstaltungen nicht nur die Zahl der Teilnehmer vergrößert hat, sondern daß auch eine stete qualitative Erhöhung des Gebotenen, inhaltlich wie auch in der künstlerischen Ausführung, festzustellen ist. Der Kreis Temesch wird so mit seinen besten Laienkünstlern auch dieses Mal in der Lage sein, sich erneut Wettbewerbs-Lorbeeren zu sichern.


aus NEUE BANATER ZEITUNG, 17. Mai 1983


Dienstag, 27. April 2021

20. Jahrhundert

Ich lese Goethes Balladen
und sonderlich ist mir zumute,
als sehe ich vollbeladene Wagen
mit Weinen und Früchten, nur guten.

Der Sänger
singt sein huldvolles Lied.
Der Schatzgräber
stammelt eine törichte Beschwörung.
Erlkönig:
Der Tod kommt, flieh Knabe, flieh!
Der König in Thule,
ein schöner Tod? Wohl nur die Krönung.

Könnte ich doch zurück,
hinein ins erdichtete Glück.
Leider strebt die Zeit nur vorwärts,
hat fürs Gewesene kein Herz.

In Glas und Eisen schließt man mich ein,
gibt mir keine Trauben, auch keinen Wein.
Zeitnot ist mein ewigʼ Schicksal,
statt Blumen und Vögel nur einsame Trübsal.

[Jahrmarkt, 1973]
Mark Jahr

aus DER DONAUSCHWABE, Aalen, 3. Mai 1998

Dienstag, 20. April 2021

Johrmarker Sprich un Sprichelcher - 154

 Oons, awwer scheen! Wie beim Buschauer seiner Muck. 

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Gsammelt vum Frombach Franz alias Gerwer Franz  (1929 - 1999)

Donnerstag, 15. April 2021

„Schwowische Owed“ im Rosengarten

mv. Temeswar. - Einen „Schwowische Owed“ veranstaltet das Temeswarer Munizipalkulturhaus am 27. Mai auf der Freilichtbühne im Rosengarten. Am Programm beteiligen sich das Orchester unter Alexander Stefi des Temeswarer 1.-Mai-Klubs, die Kapellen der Temeswarer Randviertel Fratelia und Freidorf unter Hans Mali und Werner Maurer sowie voraussichtlich auch die Peter-Pohl-Kapelle aus Neupetsch, das Billeder Jakob-Rieder-Orchester und die Jahrmarkter Blaskapelle unter Hans Kaszner. Für heitere Einlagen sorgt Alexander Ternovits, Schauspieler am Temeswarer Nationaltheater.

aus NEUE BANATER ZEITUNG, 6. Mai 1983

Dienstag, 6. April 2021

Man muß handeln, wenn man etwas Gutes bewegen will

Gespräch mit Ingolstadts ältestem SPD-Mitglied
Franz Vinyarsky

A.P.: Herr Vinyarsky, der DONAUKURIER und das Ingolstädter SPD-Blatt haben im November vergangenen Jahres, anläßlich Ihres 90. Geburtstages, über Ihre langjährige SPD-Mitgliedschaft berichtet. Im SCHUTTER KURIER der hiesigen SPD waren Sie mit MdB Hans Büttner abgebildet.

FotoQuelle: SCHUTTER KURIER

Vinyarsky: Ja, das war fast zu viel des Guten, als der Büttner gleich mit dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr zum Glückwünschen kam. Wissen Sie, ich war schon immer einer, der lieber im Hintergrund agierte.

A.P.: Wann und warum sind Sie in die Sozialdemokratische Partei eingetreten?

Vinyarsky: Mein Vater war schon im vorigen Jahrhundert Sozialdemokrat. Als ich in Temeswar in die Schneiderlehre ging, politisierten die Gesellen eifrig drauflos und das interessierte mich ehrlich gesagt oft mehr als die Schneiderei. Auch mein Meister Peter Karl war ein überzeugter und aktiver Sozialdemokrat. Ich war schon als Lehrling in der Gewerkschaft und bin dann als 16-Jähriger in die SPD eingetreten. Die sozialdemokratische Bewegung im Banat war eher eine Angelegenheit der Deutschen und Ungarn. Das war auch in Siebenbürgen so. Die Sozialdemokraten hatten nach dem 1. Weltkrieg schon Kontakte zu der SPD in Deutschland. Wenn Sie von Jahrmarkt sind, fragen Sie doch mal Ihren HOG-Vorsitzenden Frombach. Der weiß noch von seinem Vater, einem Sozialdemokraten, daß in den 20er Jahren der Reichstagspräsident Paul Löbe in eurem Dorf war. Der war ein Sozialdemokrat, und ich kann mich noch an seinen Aufenthalt in Temeswar erinnern. Das könnte so um 1923 oder 1924 gewesen sein.

A.P.: Wie stand es um die politische Tätigkeit der Temeswarer Sozialdemokraten während des 2. Weltkriegs?

Vinyarsky: Passiv, die meisten haben sich passiv verhalten. Nur wenige Sozialdemokraten sind zu den Nationalsozialisten gegangen. Damals gingen Risse durch so manche deutsche Familie im Banat, auch durch meine. Unter meinen sieben Geschwistern gab es auch gegensätzliche ideologische Überzeugungen und auch dementsprechende Handlungen.

A.P.: Wie wurde die Sozialdemokratische Partei in die Kommunistische Partei einverleibt?

Vinyarsky: Na ja, ich war ja auch zwei Jahre in Rußland und habe mich nach 1947 nicht mehr politisch engagiert. Ich habe dann die Genossenschaft Îmbrăcămintea mitbegründet. Mit sieben Leuten haben wir angefangen, und später haben dann mehr als tausend Menschen dort gearbeitet. Ich war die ersten zwei Jahre Präsisdent. Dann haben „Freunde gegen mich intrigiert und ich mußte gehen. Weiter habe ich dann als Schneider für das russische Militär gearbeitet.

A.P.: Wann sind Sie in die Ingolstädter SPD eingetreten?

Vinyarsky: 1970 bin ich nach Ingolstadt gekommen. Irgendwann in den 70er Jahren hörte ich ein Streitgespräch zwischen einem evangelischen und einem katholischen Theologen hier in der Stadt, und beide waren sich am Schluß einig, daß es mit dem Glauben allein nicht getan ist. Der Mensch muß handeln, wenn er Gutes bewegen will. Das war für mich der Auslöser, um wieder in einer Partei tätig zu werden.

A.P.: Sie waren doch auch in der Landsmannschaft tätig.

Vinyarsky: Das ist ja noch nicht so lange her, 1973. Meine Frau Edith und ich waren in Landshut auf einem Ball, den ein Bekannter von uns für die Landsleute organisiert hatte. Weil es uns so gut gefallen hat, haben wir uns gedacht, so etwas müßte doch in Ingolstadt auch machbar sein. Unser Gastgeber hat uns den Tip gegeben, mit dem Kaufmann Hans Maltry darüber zu reden. Der wäre schon seit dem Krieg in Ingolstadt und kenne bestimmt viele Landsleute. Gesagt, getan. Der Maltry gab uns viele Adressen und ich lief mit Einladungen durch die Stadt. Zwei Tage vor dem Treffen in einem Gasthaus hat ein junger Mann angerufen, er wolle auch kommen, obwohl er keine Einladung bekommen habe. Ich sagte ihm natürlich, daß wir uns über jeden Landsmann freuen, und wie es halt im Leben so geht, wurde dieser Mann, übrigens ein SPD-ler, der erste Vorsitzende der Vereinigung der Banater Schwaben in Ingolstadt. Es war Richard Lamoly. Heute macht das der Hans Metzger , und der macht das ja gut. Übrigens, das will ich nicht vergessen, meine Frau war damals die erste Schriftführerin. So entstand der Verein und danach gabʼs viele Bälle.

A.P.: Haben Sie heute noch Verbindung zu den Sozialdemokraten in Temeswar?

Vinyarsky: Wir waren nach dem Ende der Diktatur öfter in Temeswar und haben mit Hilfe der dortigen Sozialdemokraten Spenden verteilt. Meine Frau und ich wurden bei diesen Hilfslieferungen von der Ingolstädter Arbeiterwohlfahrt tatkräftig unterstützt. Leider läßt meine angeschlagene Gesundheit solche Fahrten nicht mehr zu.

A.P.: Danke für das Gespräch.

Anton Potche

aus BANATER POST, München, 5. April 1998