Dienstag, 16. Juni 2026

Dienstag, 9. Juni 2026

Kriegerdenkmalweihe in Jahrmarkt

 
Am Sonntag, den 28. d. M. findet in unserer Nachbargemeinde Jahrmarkt die feierliche Weihe des von der Gemeinde gestifteten Kriegerdenkmals statt. Dompropst Franz Blaskovics wird ein Hochamt zelebrieren, bei welchem ihm die gelegentlich der Feier in Jahrmarkt anwesende Geistlichkeit assistiert. Im Rahmen derselben hält der hohe kirchliche Würdenträger auch eine den Sinn und das Wesen des Denkmals würdigende Festpredigt. Dann findet die eigentliche Denkmalweihe ebenfalls durch Dompropst Blaskovics statt. Mittags wird zu Ehren der Gäste ein Festessen gegeben. Das Denkmal stellt einen etwa fünf Meter hohen Obelisken (Spitzsäule) dar. Derselbe wurde nach den Plänen des bekannten Temeswarer Steinmetz Kornel Tunner von dem Bruckenauer Steinmetz Bruckner in weißem Marmor ausgeführt.
Kriegerdenkmal in Jahrmarkt
FotoQuelle: Jahrmarkt im Banat; 1983
Auf dem Obelisk befindet sich ein Atlas (Weltkugel). Ueber die Mitte desselben ist eine Schleife ausgespannt, selbstredent ebenfalls aus Marmor, in die die Jahreszahlen 1914 – 1918 eingraviert sind. Die Herstellungskosten des Denkmals belaufen sich auf 130.000 Lei. Aufgestellt wird dasselbe vor dem Jahrmarkter Gotteshaus. Während der Festlichkeit und des Banketts wird die dortige
Lorissche Kapelle die Musik besorgen.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

24. Oktober 1928

Dienstag, 2. Juni 2026

Erzählungen aus der Unfreiheit

 
Ana Blandiana: Kopie eines Alptraums; Steidl Verlag, Göttingen, 1990; ISBN 3-88243-158-X; online erhältlich zu verschiedenen Preisen
Die bekannteste zeitgenössische Schriftstellerin Rumäniens ist zweifellos Ana Blandiana. Für uns Banater Schwaben ist ihr künstlerisches Schaffen nicht nur insofern interessant, als sie eine gebürtige Temeswarerin ist (geboren am 25. März 1942), sondern weil wir in ihrem Werk durchaus viele Passagen, ja auch ganze Arbeiten finden, die uns wegen unserer geschichtlichen Vergangenheit durchaus für das eine oder andere Thema sensibilisieren können. Schon kurz nach dem Sturz der Diktatur in Rumänien ist im Göttinger Steidl-Verlag ein Band mit sechs Erzählungen der rumänischen Schriftstellerin in einer sehr guten Übersetzung von Veronika Riedel erschienen.
Die literarischen Stoffe Ana Blandianas sind Produkte einer reich sprießenden Phantasie. Ihre Ursprünge sind aber immer in einer noch erkennbaren Realität zu finden. Wer selbst die Jahre der kommunistischen Herrschaft in Rumänien miterlebt hat, wird die ergiebig sprudelnde Einfallsquelle und den sich daraus bildenden literarischen Strom leichter deuten können und beide (Quelle und Strom) beim Lesen doppelt zu schätzen wissen.
Bereits die erste Erzählung des Bandes Kopie eines Alptraums konfrontiert uns mit einem Ereignis, das vielen Menschen des Banats der fünfziger Jahre in böser Erinnerung geblieben ist. Aus der Sichtweise eines Kindes beginnt Ana Blandiana in Entwürfe der Vergangenheit zu erzählen. Da standen als Erstes zwei von dem kleinen Mädchen mit Angst assoziierte Wörter im Raum: „Bărăgan“ und „abholen“. Oder besser gesagt „abholen“ und „Bărăgan“, denn das Erste bedingte damals das Zweite.
Das muss man sich mal vorstellen: Da wird eine Hochzeitsgesellschaft brutal aufgelöst, in Kleingruppen zersplittert und in die unwirtliche Steppe im Südosten Rumäniens verschleppt. Elf Jahre lebt eine dieser Gruppen von der Außenwelt isoliert. Das Wissen der Erzählerin über diese Geschehnisse stammt von ihrem Onkel Emil, „durch dessen Augen ich das alles miterlebt habe“. Was sich im Erzählfluss dann entwickelt, ist eine wahrhafte Robinsonade, die an Spannung wegen den Verhaltensweisen der sehr unterschiedlichen Gruppenmitglieder nichts zu wünschen übrig lässt.
Hochinteressant die Narrationstechnik der Autorin: Sie wechselt sich einfach in der Schilderung der Vorkommnisse mit ihrem Onkel ab und versucht auch, dessen Sicht psychologisch zu ergründen. Was daraus resultiert, ist die Erkenntnis, dass zurückliegende, selbst tragischste Schicksalsschläge im Laufe der Zeit vom Schleier der Verklärung überzogen werden können. Bei Onkel Emil wirkte sich das so aus: „Mit zunehmendem Alter beschönigte er die schlimmen Leiden jener Grenzsituation immer maßloser und stellte sie dem Durchschnittsleben von heute gegenüber, wobei er unermüdlich und besessen immer phantastischere und idealere Entwürfe der Vergangenheit fabrizierte.“
Genau dieser Satz begründet den Unterschied, der zwischen der stellenweise recht abenteuerlichen, durch ihren literarischen Anspruch aber durchaus gerechtfertigten Aufarbeitung der Bărăgan-Verschleppung Ana Blandianas und den bedrückenden Erlebnisberichten, die in den letzten Ausgaben der BANATER POST zu lesen waren, und in denen der Phantasie kein Platz eingeräumt wird, liegt. Vielleicht ist in ihm aber auch die Verlockung zu einer Absolutionserteilung durch die kommunistische Zensur enthalten. Man erfährt nämlich – für den einen oder anderen mag das vielleicht sogar die echte Offenbarungsleistung dieses Buches sein – im Nachwort von Paul Schuster, dass die Bărăgan-Erzählung „Entwürfe der Vergangenheit“ und die anderen ebenso politisch brisanten Geschichten schon 1982 in Rumänien in einem Band mit dem Originaltitel Proiecte de trecut erschienen sind.

Anton Potche

aus BANATER POST, München, 20. Mai 2001

Dienstag, 19. Mai 2026

Dienstag, 12. Mai 2026

Kirchweihe in der Elisabethstadt

 
Gestern feierte die röm.-kath. Bevölkerung der Elisabethstadt das Fest der Kirchweihe. An den vormittägigen Gottesdiensten nahmen die Gläubigen in überaus großer Anzahl teil. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der bei ähnlichen Anlässen üblichen Volksbelustigungen, für welche in ausgiebigstem Maße gesorgt war. Auch Bischof Dr. August Pacha erschien nachmittags in Begleitung der PP. Norbert und Paulinus unter der fröhlichen Menge, die von dieser Auszeichnung und Aufmerksamkeit des Kirchenfürsten sichtlich angenehm berührt war. Ihren Abschluß fand die Kirchweihe durch eine im Novotnyschen Gasthause veranstalteten Tanzunterhaltung, bei welcher die rühmlichst bekannte Lorissche Musikkapelle von Sackelhausen volkstümliche und moderne Weisen vortrug.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

14. August 1928

Dienstag, 5. Mai 2026

Volksmusik und Orgelklänge aus Siebenbürgen

 Ursula Philippi interpretierte auf BAYERN 4 KLASSIK

BAYERN 4 KLASSIK ist ein Sender des BAYERISCHEN RUNDFUNKS, der rund um die Uhr so genannte E-Musik, also ernste Musik sendet. Dazu gehören oft auch sehr interessante und vor allem lehrreiche Programmpunkte, die den Radiohörer mit den vielfältigsten Musiklandschaften der Welt vertraut macht. Dabei werden die Pfade der reinen klassischen Musik verlassen und das kann zu einer höchst spannenden Gratwanderung zwischen wahrer Volksmusik (hat nichts gemeinsam mit der bis zum Überdruss in Deutschland produzierten volkstümlichen Musik), Jazz, Kirchenmusik und neuen experimentellen Klangformen führen.
Am 3. März präsentierte BAYERN 4 KLASSIK in der Sendereihe Musik der Welt den Beitrag Auch wenn ich morgen sterben würde, werde ich heute noch ein Fest feiern. Als Autor zeichnete Rolf Killius. In der Programmvorschau des Senders hieß es dazu: „Hier mischen sich seit Jahrhunderten die Musikkulturen der Ungarn, Rumänen und Zigeuner zu temperamentvollen Tänzen und Liedern, die bei Bauernhochzeiten, Taufen und Beerdigungen gespielt werden. Zum Beispiel von der in Transsylvanien berühmten Zigeunergruppe >Taraful din Mociu< in der typischen Dreier-Besetzung: Der Sologeiger, der die Melodie vorgibt und improvisiert, wird von der Kontra begleitet – einer dreisaitigen Geige mit abgeflachtem Griffbrett, auf der nur Akkorde gespielt werden. Rhythmus und ein bordunartiger Grundton werden vom Bassisten auf dem dreisaitigen Kontrabass oder Gordon beigesteuert. Bei größeren Festen tritt verstärkend ein Akkordeonspieler hinzu.“ Was der erwähnte Taraf zu bieten hatte, war für so manches deutsche Ohr bestimmt ungewohnt, aber sicher auch faszinierend.
Mit eher vertrauten Klangfarben wurden dann am Sonntagabend, dem 18. März, die Hörer von BAYERN 4 KLASSIK bedient. Kirchenmusik stand auf dem Programm, und die erfährt ja bekanntlich in den letzten Jahren in Deutschland einen sehr erfreulichen Höhenflug. Kirchenkonzerte gehören allerorts zu den meist geschätzten Kulturveranstaltungen. Ist ein Opus von Bach, Händel, Buxtehude, Vivaldi, Krebs u.v.a. fester Bestandteil deutscher Kirchenmusik, so fielen in der Sendereihe Orgelstunde an jenem Abend (22:05 Uhr) ganz andere Namen. Das war aber insofern nicht verwunderlich, als die Sendung unter der Überschrift lief: Orgellandschaft Siebenbürgen. Es waren hier zu Lande selten oder nie gehörte Werke zu hören. Die gesendeten Stücke wurden alle von Ursula Philippi eingespielt.
Als erstes erklang Musik des späten 16. Jahrhunderts aus der Sammlung Il Transilvano von Girolamo Diruta, vorgetragen auf dem Orgelpositiv in Michelsberg. Von Balint Bakfark (1507 – 1576) spielte Ursula Philippi Fantasia in D auf dem Ha(a)hn-Orgelpositiv der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Es folgten eine Fuge von Johann Erasmus Kindermann (1616 – 1655) und drei Choralbearbeitungen von Daniel Croner über Was mein Gott will aus dessen 1681 veröffentlichtem Tabulaturbuch. Auch auf der Metz-Orgel in Martinsberg wurden zwei Kompositionen von Daniel Croner dargeboten: Toccata in G und Bicinium und Trio über Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst. Die Fantasie-Sonate in d-Moll von Johann Leopld Bella (1843 – 1936) wurde auf der Sauer-Orgel der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt gespielt. Auf dem gleichen Instrument interpretierte Ursula Philippi in ihrer gefühlvollen und manchmal recht virtuosen Art, aber immer dem Raum und seiner jeweils spezifischen Akustik gerecht werdend, die Choralbearbeitungen Mit Fried und Freud und Sollt ich meinem Gott von Waldemar Edler von Baußnern (1866 – 1931). Als letztes war dann Partita 2 über ein rumänisches Volkslied von Tudor Ciortea zu hören, ein Werk, das nicht nur die eingangs erwähnte gelungene Gratwanderung zwischen unverfälschter Volksmusik und Klassik unterstreicht, sondern auch verdeutlicht, wie wichtig urwüchsige, im Volk gediehene Melodien für die Inspiration der Komponisten anderer Musikarten schon immer waren und auch bleiben werden.
Volksmusik und Orgelmusik aus Siebenbürgen konnten dank dieser lobenswerten Sendungen des BAYERISCHEN RUNDFUNKS einen wesentlichen Beitrag zur Ankratzung des Dracula-Klischees in Deutschland leisten. Langsam aber sicher werden sich durch das Vermitteln kultureller Werte Rumänien im Allgemeinen und Siebenbürgen im Besonderen als erlebniswerte Landschaften im Bewusstsein so mancher Bundesbürger einen Sympathiebonus erwerben.
Mark Jahr

aus KARPATENRUNDSCHAU, Kronstadt, 12. Mai 2001

Dienstag, 14. April 2026

Dienstag, 7. April 2026

Ein gerichtlicher Vergleich

 
Der Jahrmarkter Landwirt Josef Glaßmann schloß mit dem Kapellmeister Peter Lorisz in Jahrmarkt, mit dem er wegen einer Ziegelangelegenheit einen Streitfall hatte, bei der heute vormittags vor dem Temeswarer Landbezirksgerichte stattgefundenen Verhandlung, wobei die Jahrmarkter Landwirte Michael Zeich und Josef Muresan als Zeugen fungierten, einen gerichtlichen Vergleich ab, sodaß die Angelegenheit nun als gänzlich erledigt zu betrachten ist.

aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar, 

10. Mai 1928