aus DONAUKURIER, Ingolstadt, 31.Mai 2001
Textesammelsurium eines Banater Schwaben
Herzlich willkommen! Auf diesem Archiv-Blog finden Sie auch Veröffentlichungen von Anton Potche (Pseud.: Berns Toni, Anton Delagiarmata, Mark Jahr) in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern. Diese Texte sind im Label "- - - Chronologisches Inhaltsverzeichnis" vermerkt. Zu den anderen Texten finden Sie Hinweise im Label "In eigener Sache".
Donnerstag, 2. Juli 2026
Sammelbegriff Donauschwaben
Zum
Artikel Lebhafte Wechselbeziehungen in der Ausgabe vom 19./20.
Mai:
„Donauschwaben“ ist ein oft
benutzter Sammelbegriff für alle im mittleren Donauraum, etwa
zwischen dem Fluss Raab und dem Eisernen Tor, im 18. Jahrhundert
angesiedelten Deutschen. Ob auch die Banater Schwaben zu dieser
Volksgruppe gehören, bleibt unter den Historikern umstritten. Obwohl
die Siedler, deren Nachkommen sich heute Banater Schwaben nennen,
etwas weiter östlich, in der als Banat bekannten Region um die Stadt
Temeswar, ihr Siedlungswerk im 18. Jahrhundert begannen, dürfte es
kein allzu großer Irrtum sein, auch sie als Donauschwaben zu
bezeichnen.
Kompliziert
wird der Umgang mit den Begriffen „Donauschwaben“ und „Banater
Schwaben“, wenn man sie in Bezug zur Gegenwart oder zur jüngeren
Zeitgeschichte einsetzt.
Nach
dem Zweiten Weltkrieg identifizierten sich vorwiegend die
vertriebenen und geflüchteten Deutschen aus Jugoslawien mit dem
Namen „Donauschwaben“, während die aus Ungarn gekommenen sich in
der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn wiederfanden und die aus
dem rumänischen Banat geflüchteten und später massenweise
ausgesiedelten Deutschen sich als Banater Schwaben bezeichnen.
Daher
ist eher unwahrscheinlich , dass „Vorstände der Gemeinschaft der
Banater Schwaben“ sich angeblich im zerstörten Jugoslawien ideell
und materiell engagiert haben sollen. Im Artikel wird es sich also um
donauschwäbische Spenden aus Bayern und nicht um „Banater Spenden
aus Bayern“ handeln.
Anton Potche
Dienstag, 16. Juni 2026
Johrmarker Sprich un Sprichelcher - 223
Josteblut is ka Begawasser.
☻ ۩ ☺
Gsammelt vum Frombach Franz alias Gerwer Franz (1929 - 1999)
Dienstag, 9. Juni 2026
Kriegerdenkmalweihe in Jahrmarkt
Am
Sonntag, den 28. d. M. findet
in unserer Nachbargemeinde Jahrmarkt die feierliche Weihe des von der
Gemeinde gestifteten Kriegerdenkmals statt. Dompropst
Franz Blaskovics wird
ein Hochamt zelebrieren, bei welchem ihm die gelegentlich der Feier
in Jahrmarkt anwesende Geistlichkeit assistiert. Im
Rahmen derselben hält der hohe kirchliche Würdenträger auch eine
den Sinn und das Wesen des Denkmals würdigende Festpredigt. Dann
findet die eigentliche Denkmalweihe ebenfalls durch Dompropst
Blaskovics statt.
Mittags wird zu Ehren der Gäste ein Festessen gegeben. Das Denkmal
stellt einen etwa fünf Meter hohen Obelisken (Spitzsäule) dar.
Derselbe wurde nach den Plänen des bekannten Temeswarer Steinmetz
Kornel Tunner von dem
Bruckenauer Steinmetz Bruckner
in weißem Marmor ausgeführt.
Auf
dem Obelisk befindet sich ein Atlas (Weltkugel). Ueber die Mitte
desselben ist eine Schleife ausgespannt, selbstredent ebenfalls aus
Marmor, in die die Jahreszahlen 1914 – 1918 eingraviert sind. Die
Herstellungskosten des Denkmals belaufen sich auf 130.000 Lei.
Aufgestellt wird dasselbe vor dem Jahrmarkter Gotteshaus. Während
der Festlichkeit und des Banketts wird die dortige Lorissche
Kapelle die
Musik besorgen.
![]() |
| Kriegerdenkmal in Jahrmarkt FotoQuelle: Jahrmarkt im Banat; 1983 |
aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar,
24. Oktober 1928
Dienstag, 2. Juni 2026
Erzählungen aus der Unfreiheit
Ana Blandiana: Kopie eines
Alptraums; Steidl Verlag, Göttingen, 1990; ISBN 3-88243-158-X;
online erhältlich zu verschiedenen Preisen
Die
bekannteste zeitgenössische Schriftstellerin Rumäniens ist
zweifellos Ana
Blandiana. Für uns
Banater Schwaben ist ihr künstlerisches Schaffen nicht nur insofern
interessant, als sie eine gebürtige Temeswarerin ist (geboren am 25.
März 1942), sondern weil wir in ihrem Werk durchaus viele Passagen,
ja auch ganze Arbeiten finden, die uns wegen unserer geschichtlichen
Vergangenheit durchaus für das eine oder
andere Thema sensibilisieren können. Schon
kurz nach dem Sturz der Diktatur in Rumänien ist im Göttinger
Steidl-Verlag ein Band mit sechs Erzählungen der rumänischen
Schriftstellerin in einer sehr guten Übersetzung von Veronika
Riedel erschienen.
Die
literarischen Stoffe Ana Blandianas sind Produkte einer reich
sprießenden Phantasie. Ihre Ursprünge sind aber immer in einer noch
erkennbaren Realität zu finden. Wer selbst die Jahre der
kommunistischen Herrschaft in Rumänien miterlebt hat, wird die
ergiebig sprudelnde Einfallsquelle und den sich daraus bildenden
literarischen Strom leichter deuten können und beide (Quelle und
Strom) beim Lesen doppelt zu schätzen wissen.
Bereits
die erste Erzählung des Bandes Kopie eines Alptraums
konfrontiert uns mit einem Ereignis, das vielen Menschen des Banats
der fünfziger Jahre in böser Erinnerung geblieben ist. Aus der
Sichtweise eines Kindes beginnt Ana Blandiana in
Entwürfe der Vergangenheit zu erzählen. Da standen als
Erstes zwei von dem kleinen Mädchen mit Angst assoziierte Wörter im
Raum: „Bărăgan“ und „abholen“. Oder besser gesagt „abholen“
und „Bărăgan“, denn das Erste bedingte damals das Zweite.
Das
muss man sich mal vorstellen: Da wird eine Hochzeitsgesellschaft
brutal aufgelöst, in Kleingruppen zersplittert und in die
unwirtliche Steppe im Südosten Rumäniens verschleppt. Elf Jahre
lebt eine dieser Gruppen von der Außenwelt isoliert. Das Wissen der
Erzählerin über diese Geschehnisse stammt von ihrem Onkel Emil,
„durch dessen Augen ich das alles miterlebt habe“. Was sich im
Erzählfluss dann entwickelt, ist eine wahrhafte Robinsonade, die an
Spannung wegen den Verhaltensweisen der sehr unterschiedlichen
Gruppenmitglieder nichts zu wünschen übrig lässt.
Hochinteressant
die Narrationstechnik der Autorin: Sie wechselt sich einfach in der
Schilderung der Vorkommnisse mit ihrem Onkel ab und versucht auch,
dessen Sicht psychologisch zu ergründen. Was daraus resultiert, ist
die Erkenntnis, dass zurückliegende, selbst tragischste
Schicksalsschläge im Laufe der Zeit vom Schleier der Verklärung
überzogen werden können. Bei Onkel Emil wirkte sich das so aus:
„Mit zunehmendem Alter beschönigte er die schlimmen Leiden jener
Grenzsituation immer maßloser und stellte sie dem Durchschnittsleben
von heute gegenüber, wobei er unermüdlich und besessen immer
phantastischere und idealere Entwürfe der Vergangenheit
fabrizierte.“
Genau
dieser Satz begründet den Unterschied, der zwischen der stellenweise
recht abenteuerlichen, durch ihren literarischen Anspruch aber
durchaus gerechtfertigten Aufarbeitung der Bărăgan-Verschleppung Ana
Blandianas und den bedrückenden Erlebnisberichten, die in den
letzten Ausgaben der BANATER POST zu lesen waren, und in denen der
Phantasie kein Platz eingeräumt wird, liegt. Vielleicht ist in ihm
aber auch die Verlockung zu einer Absolutionserteilung durch die
kommunistische Zensur enthalten. Man erfährt nämlich – für den
einen oder anderen mag das vielleicht sogar die echte
Offenbarungsleistung dieses Buches sein – im Nachwort von Paul
Schuster, dass die Bărăgan-Erzählung „Entwürfe der
Vergangenheit“ und die anderen ebenso politisch brisanten
Geschichten schon 1982 in Rumänien in einem Band mit dem
Originaltitel Proiecte de trecut erschienen sind.
Anton Potche
aus BANATER POST, München, 20. Mai 2001
Dienstag, 19. Mai 2026
Johrmarker Sprich un Sprichelcher - 222
Jetz staabt 's awwer!
☻ ۩ ☺
Gsammelt vum Frombach Franz alias Gerwer Franz (1929 - 1999)
Dienstag, 12. Mai 2026
Kirchweihe in der Elisabethstadt
Gestern feierte die röm.-kath.
Bevölkerung der Elisabethstadt das Fest der Kirchweihe. An den
vormittägigen Gottesdiensten nahmen die Gläubigen in überaus
großer Anzahl teil. Der Nachmittag stand ganz im Zeichen der bei
ähnlichen Anlässen üblichen Volksbelustigungen, für welche in
ausgiebigstem Maße gesorgt war. Auch Bischof Dr. August Pacha
erschien nachmittags in Begleitung der PP. Norbert und
Paulinus unter der fröhlichen Menge, die von dieser
Auszeichnung und Aufmerksamkeit des Kirchenfürsten sichtlich
angenehm berührt war. Ihren Abschluß fand die Kirchweihe durch eine
im Novotnyschen Gasthause veranstalteten Tanzunterhaltung, bei
welcher die rühmlichst bekannte Lorissche
Musikkapelle von Sackelhausen volkstümliche und
moderne Weisen vortrug.
aus BANATER DEUTSCHE ZEITUNG, Timisoara=Temeswar,
14. August 1928
Dienstag, 5. Mai 2026
Volksmusik und Orgelklänge aus Siebenbürgen
Ursula Philippi interpretierte
auf BAYERN 4 KLASSIK
BAYERN
4 KLASSIK ist ein
Sender des BAYERISCHEN RUNDFUNKS, der rund um die Uhr so genannte
E-Musik, also ernste Musik sendet. Dazu gehören oft auch sehr
interessante und vor allem lehrreiche Programmpunkte, die den
Radiohörer mit den vielfältigsten Musiklandschaften der Welt
vertraut macht. Dabei werden die Pfade der reinen klassischen Musik
verlassen und das kann zu einer höchst spannenden Gratwanderung
zwischen wahrer Volksmusik (hat nichts gemeinsam mit der bis zum
Überdruss in Deutschland
produzierten volkstümlichen Musik), Jazz, Kirchenmusik und neuen
experimentellen Klangformen führen.
Am
3. März präsentierte BAYERN 4 KLASSIK in der Sendereihe Musik
der Welt den Beitrag Auch wenn ich morgen sterben würde,
werde ich heute noch ein Fest feiern. Als Autor zeichnete Rolf
Killius. In der Programmvorschau des Senders hieß es dazu:
„Hier mischen sich seit Jahrhunderten die Musikkulturen der Ungarn,
Rumänen und Zigeuner zu temperamentvollen Tänzen und Liedern, die
bei Bauernhochzeiten, Taufen und Beerdigungen gespielt werden. Zum
Beispiel von der in Transsylvanien berühmten Zigeunergruppe >Taraful
din Mociu< in der typischen Dreier-Besetzung: Der Sologeiger, der
die Melodie vorgibt und improvisiert, wird von der Kontra begleitet –
einer dreisaitigen Geige mit abgeflachtem Griffbrett, auf der nur
Akkorde gespielt werden. Rhythmus und ein bordunartiger Grundton
werden vom Bassisten auf dem dreisaitigen Kontrabass oder Gordon
beigesteuert. Bei größeren Festen tritt verstärkend ein
Akkordeonspieler hinzu.“ Was der erwähnte Taraf zu bieten hatte,
war für so manches deutsche Ohr bestimmt ungewohnt, aber sicher auch
faszinierend.
Mit
eher vertrauten Klangfarben wurden dann am Sonntagabend, dem 18.
März, die Hörer von BAYERN 4 KLASSIK bedient. Kirchenmusik stand
auf dem Programm, und die erfährt ja bekanntlich in den letzten
Jahren in Deutschland einen sehr erfreulichen Höhenflug.
Kirchenkonzerte gehören allerorts zu den meist geschätzten
Kulturveranstaltungen. Ist ein Opus von Bach, Händel, Buxtehude,
Vivaldi, Krebs u.v.a. fester Bestandteil deutscher Kirchenmusik, so
fielen in der Sendereihe Orgelstunde an jenem Abend (22:05
Uhr) ganz andere Namen. Das war aber insofern nicht verwunderlich,
als die Sendung unter der Überschrift lief: Orgellandschaft
Siebenbürgen. Es waren hier zu Lande selten oder nie gehörte
Werke zu hören. Die gesendeten Stücke wurden alle von Ursula
Philippi eingespielt.
Als
erstes erklang Musik des späten 16. Jahrhunderts aus der Sammlung Il
Transilvano von Girolamo Diruta, vorgetragen auf dem
Orgelpositiv in Michelsberg. Von Balint Bakfark (1507 –
1576) spielte Ursula Philippi Fantasia in D auf dem
Ha(a)hn-Orgelpositiv der Evangelischen Stadtpfarrkirche in
Hermannstadt. Es folgten eine Fuge von Johann Erasmus
Kindermann (1616 – 1655) und drei Choralbearbeitungen von
Daniel Croner über Was mein Gott will aus dessen 1681
veröffentlichtem Tabulaturbuch. Auch auf der Metz-Orgel in
Martinsberg wurden zwei Kompositionen von Daniel Croner
dargeboten: Toccata in G und Bicinium und Trio über
Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst. Die Fantasie-Sonate in
d-Moll von Johann Leopld Bella (1843 – 1936) wurde auf
der Sauer-Orgel der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt
gespielt. Auf dem gleichen Instrument interpretierte Ursula
Philippi in ihrer gefühlvollen und manchmal recht virtuosen
Art, aber immer dem Raum und seiner jeweils spezifischen Akustik
gerecht werdend, die Choralbearbeitungen Mit Fried und
Freud und Sollt ich meinem Gott von Waldemar Edler
von Baußnern (1866 – 1931). Als letztes war dann Partita 2
über ein rumänisches Volkslied von Tudor Ciortea zu
hören, ein Werk, das nicht nur die eingangs erwähnte gelungene
Gratwanderung zwischen unverfälschter Volksmusik und Klassik
unterstreicht, sondern auch verdeutlicht, wie wichtig urwüchsige, im
Volk gediehene Melodien für die Inspiration der Komponisten anderer
Musikarten schon immer waren und auch bleiben werden.
Volksmusik
und Orgelmusik aus Siebenbürgen konnten dank dieser lobenswerten
Sendungen des BAYERISCHEN RUNDFUNKS einen wesentlichen Beitrag zur
Ankratzung des Dracula-Klischees in Deutschland leisten. Langsam aber
sicher werden sich durch das Vermitteln kultureller Werte Rumänien
im Allgemeinen und Siebenbürgen im Besonderen als erlebniswerte
Landschaften im Bewusstsein so mancher Bundesbürger einen
Sympathiebonus erwerben.
Mark Jahr
aus KARPATENRUNDSCHAU, Kronstadt, 12. Mai 2001
Dienstag, 14. April 2026
Abonnieren
Posts (Atom)


