Ursula Philippi interpretierte
auf BAYERN 4 KLASSIK
BAYERN
4 KLASSIK ist ein
Sender des BAYERISCHEN RUNDFUNKS, der rund um die Uhr so genannte
E-Musik, also ernste Musik sendet. Dazu gehören oft auch sehr
interessante und vor allem lehrreiche Programmpunkte, die den
Radiohörer mit den vielfältigsten Musiklandschaften der Welt
vertraut macht. Dabei werden die Pfade der reinen klassischen Musik
verlassen und das kann zu einer höchst spannenden Gratwanderung
zwischen wahrer Volksmusik (hat nichts gemeinsam mit der bis zum
Überdruss in Deutschland
produzierten volkstümlichen Musik), Jazz, Kirchenmusik und neuen
experimentellen Klangformen führen.
Am
3. März präsentierte BAYERN 4 KLASSIK in der Sendereihe Musik
der Welt den Beitrag Auch wenn ich morgen sterben würde,
werde ich heute noch ein Fest feiern. Als Autor zeichnete Rolf
Killius. In der Programmvorschau des Senders hieß es dazu:
„Hier mischen sich seit Jahrhunderten die Musikkulturen der Ungarn,
Rumänen und Zigeuner zu temperamentvollen Tänzen und Liedern, die
bei Bauernhochzeiten, Taufen und Beerdigungen gespielt werden. Zum
Beispiel von der in Transsylvanien berühmten Zigeunergruppe >Taraful
din Mociu< in der typischen Dreier-Besetzung: Der Sologeiger, der
die Melodie vorgibt und improvisiert, wird von der Kontra begleitet –
einer dreisaitigen Geige mit abgeflachtem Griffbrett, auf der nur
Akkorde gespielt werden. Rhythmus und ein bordunartiger Grundton
werden vom Bassisten auf dem dreisaitigen Kontrabass oder Gordon
beigesteuert. Bei größeren Festen tritt verstärkend ein
Akkordeonspieler hinzu.“ Was der erwähnte Taraf zu bieten hatte,
war für so manches deutsche Ohr bestimmt ungewohnt, aber sicher auch
faszinierend.
Mit
eher vertrauten Klangfarben wurden dann am Sonntagabend, dem 18.
März, die Hörer von BAYERN 4 KLASSIK bedient. Kirchenmusik stand
auf dem Programm, und die erfährt ja bekanntlich in den letzten
Jahren in Deutschland einen sehr erfreulichen Höhenflug.
Kirchenkonzerte gehören allerorts zu den meist geschätzten
Kulturveranstaltungen. Ist ein Opus von Bach, Händel, Buxtehude,
Vivaldi, Krebs u.v.a. fester Bestandteil deutscher Kirchenmusik, so
fielen in der Sendereihe Orgelstunde an jenem Abend (22:05
Uhr) ganz andere Namen. Das war aber insofern nicht verwunderlich,
als die Sendung unter der Überschrift lief: Orgellandschaft
Siebenbürgen. Es waren hier zu Lande selten oder nie gehörte
Werke zu hören. Die gesendeten Stücke wurden alle von Ursula
Philippi eingespielt.
Als
erstes erklang Musik des späten 16. Jahrhunderts aus der Sammlung Il
Transilvano von Girolamo Diruta, vorgetragen auf dem
Orgelpositiv in Michelsberg. Von Balint Bakfark (1507 –
1576) spielte Ursula Philippi Fantasia in D auf dem
Ha(a)hn-Orgelpositiv der Evangelischen Stadtpfarrkirche in
Hermannstadt. Es folgten eine Fuge von Johann Erasmus
Kindermann (1616 – 1655) und drei Choralbearbeitungen von
Daniel Croner über Was mein Gott will aus dessen 1681
veröffentlichtem Tabulaturbuch. Auch auf der Metz-Orgel in
Martinsberg wurden zwei Kompositionen von Daniel Croner
dargeboten: Toccata in G und Bicinium und Trio über
Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst. Die Fantasie-Sonate in
d-Moll von Johann Leopld Bella (1843 – 1936) wurde auf
der Sauer-Orgel der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt
gespielt. Auf dem gleichen Instrument interpretierte Ursula
Philippi in ihrer gefühlvollen und manchmal recht virtuosen
Art, aber immer dem Raum und seiner jeweils spezifischen Akustik
gerecht werdend, die Choralbearbeitungen Mit Fried und
Freud und Sollt ich meinem Gott von Waldemar Edler
von Baußnern (1866 – 1931). Als letztes war dann Partita 2
über ein rumänisches Volkslied von Tudor Ciortea zu
hören, ein Werk, das nicht nur die eingangs erwähnte gelungene
Gratwanderung zwischen unverfälschter Volksmusik und Klassik
unterstreicht, sondern auch verdeutlicht, wie wichtig urwüchsige, im
Volk gediehene Melodien für die Inspiration der Komponisten anderer
Musikarten schon immer waren und auch bleiben werden.
Volksmusik
und Orgelmusik aus Siebenbürgen konnten dank dieser lobenswerten
Sendungen des BAYERISCHEN RUNDFUNKS einen wesentlichen Beitrag zur
Ankratzung des Dracula-Klischees in Deutschland leisten. Langsam aber
sicher werden sich durch das Vermitteln kultureller Werte Rumänien
im Allgemeinen und Siebenbürgen im Besonderen als erlebniswerte
Landschaften im Bewusstsein so mancher Bundesbürger einen
Sympathiebonus erwerben.
Mark Jahr
aus KARPATENRUNDSCHAU, Kronstadt, 12. Mai 2001

