Prof. Dr. Josef Schramm: Prof.
Dr. Anton Scherer – Persönlichkeit und Werk - Zu seinem 75.
Geburtstag; Donauschwäbisches Bibliographisches Archiv, Graz, 1999;
ISBN 3-901486-10-0; Broschüre, 60 Seiten.
Einer der renommiertesten
Wissensträger deutschen Lebens in Südosteuropa ist zweifellos Prof.
Dr. Anton Scherer. Über den am 19. Juli 1922 in Obrovac
(Oberndorf, ungar. Boröc) in der jugoslawischen Batschka geborenen
Wissenschaftler schrieb der Schriftsteller Heinrich Zillich,
er sei „als Historiker, Bibliograph, Literaturkundiger, aber auch
als Kritiker und Essay-Schriftsteller einer der frischesten der
donauschwäbischen Autoren.“
Es ist diesem Umstand gemäß auch
weiter nicht verwunderlich, dass die 1999 von Prof. Dr. Josef
Schramm veröffentlichte Arbeit Prof. Dr. Anton Scherer –
Persönlichkeit und Werk – Zu seinem 75. Geburtstag eher
einer Scherer-Bibliographie als einer Scherer-Biographie ähnelt.
Eine broschierte Würdigung des über alle Maßen umfangreichen
Schaffens dieses unermüdlichen Wissenschaftlers kann natürlich nur
einen Werküberblick ohne Details ermöglichen.
Das weit über
den donauschwäbischen Insiderraum hinaus bekanntgewordene
Standardwerk Scherers ist seine Donauschwäbische
Bibliographie. Nun sollte man sich darunter kein einzelnes
Buch vorstellen, das der Definition des Wortes Bibliographie gerecht
wird, nämlich „Schriftenverzeichnis zu bestimmten Themen,
Kategorien; Büchernachweis“, sondern eher ein umfangreiches Archiv
mit Schriften über fast alle Lebensbereiche der Donauschwaben.
Wer meint,
eine Schrift mit biobibliographischen Zügen wäre eine trockene,
schwer verdauliche Materie, der wird hier eines Besseren belehrt. Ein
Blick in die vielseitigen Forschungsbereiche Anton Scherers
kann so manche allgemeinbildende Überraschung für den
interessierten Leser freilegen. In welchen Wissensfeldern die einen
oder anderen relevanten Daten zu suchen sind, verraten uns die
Kapitelüberschriften: Landeskunde, Bevölkerung,
Historische Arbeiten, Auseinandersetzung mit
ideologischer jugoslawischer und tendenziöser
deutscher Geschichtsschreibung, Beiträge zur
Interethnik, Volkskundliche Arbeiten, Soziales,
Schule, Forschung und Forscher,
Literaturgeschichtliche Arbeiten, Sprachgeschichtliche
Studien, Presse- und Bücherwesen,
Rundfunk, Bestände des Donauschwäbischen
Bibliographischen Archivs, Rezensionen und
schließlich Bibliographische Grundlagenarbeiten.
Eröffnet wird diese Kapitelreihe allerdings mit einer Besprechung
der zurecht als Meilenstein in der donauschwäbischen
Literaturgeschichte apostrophierten Anthologie Die nicht
sterben wollten. Donauschwäbische Literatur von Lenau bis zur
Gegenwart. Ein Buch vom Leben der Deutschen und ihrer Nachbarn in
Südosteuropa. Von den vielen Stellungnahmen zu diesem Buch
zitiert Josef Schramm auch Wilhelm Kronfuß
mit den Worten: „Es wäre zu begrüßen, wenn die so lebhafte
Volksgruppe der Donauschwaben in Scherers Dichterbuch einen
geistigen Ort der Mitte und den ruhenden Pol für ihr sternförmiges
Auseinanderstreben finden könnte. Die mit
Siebenmeilenstiefeln in unbekannte Weiten enteilende Volksgruppe
wurde mit diesem Buch wieder eingeholt und könnte sich darin wie in
einem Spiegel erkennen und in seinem Geiste sammeln. Geschichtliches
Bewusstsein ist immer geschichtliches Selbstbewusstsein.“ Hier soll
allerdings nicht verschwiegen werden, dass seit dem Erscheinen der
zwei Auflagen dieser Blütenlese immerhin 42 bzw. 16 Jahre ins Land
gegangen sind.
Die
vorliegende Broschüre enthält im Anhang Literaturangaben, derer
sich Univ.-Prof. Dr. Josef Schramm bedient hat; es sind 39
Titel von Veröffentlichungen über Prof. Dr. Anton Scherer in
verschiedenen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften. Eine Auflistung
der zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen, die Scherer für
seine Arbeiten erhalten hat, ein praktisches, alphabetisch geordnetes
Namensregister, einige aufschlussreiche Rezensionsauszüge, ein
Gesamtverzeichnis aller 104 Donauschwäbischen Beiträge
von 1952 bis 1998 und eine Auflistung anderer „Veröffentlichungen
von Anton Scherer“ meist in der Reihe Danubio-Suevia
erschienen, schließen diese kurzweilige, auch mit etlichen
Nadelstichen in den donauschwäbischen Kulturbetrieb, der mit dem
unabhängigen und selbstbewussten Forschergeist Scherers nicht
immer konform lief, bespickte Würdigung des verdienstvollen Kämpfers
im Dienste der geistigen Einheit der Donauschwaben.
Anton
Potche
aus BANATER POST, München, 5. Juni 2001

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