Dienstag, 4. August 2026

Würdigung des Geisteswissenschaftlers Prof. Dr. Anton Scherer

 
Prof. Dr. Josef Schramm: Prof. Dr. Anton Scherer – Persönlichkeit und Werk - Zu seinem 75. Geburtstag; Donauschwäbisches Bibliographisches Archiv, Graz, 1999; ISBN 3-901486-10-0; Broschüre, 60 Seiten.
Einer der renommiertesten Wissensträger deutschen Lebens in Südosteuropa ist zweifellos Prof. Dr. Anton Scherer. Über den am 19. Juli 1922 in Obrovac (Oberndorf, ungar. Boröc) in der jugoslawischen Batschka geborenen Wissenschaftler schrieb der Schriftsteller Heinrich Zillich, er sei „als Historiker, Bibliograph, Literaturkundiger, aber auch als Kritiker und Essay-Schriftsteller einer der frischesten der donauschwäbischen Autoren.“
Es ist diesem Umstand gemäß auch weiter nicht verwunderlich, dass die 1999 von Prof. Dr. Josef Schramm veröffentlichte Arbeit Prof. Dr. Anton Scherer – Persönlichkeit und Werk – Zu seinem 75. Geburtstag eher einer Scherer-Bibliographie als einer Scherer-Biographie ähnelt. Eine broschierte Würdigung des über alle Maßen umfangreichen Schaffens dieses unermüdlichen Wissenschaftlers kann natürlich nur einen Werküberblick ohne Details ermöglichen.
Das weit über den donauschwäbischen Insiderraum hinaus bekanntgewordene Standardwerk Scherers ist seine Donauschwäbische Bibliographie. Nun sollte man sich darunter kein einzelnes Buch vorstellen, das der Definition des Wortes Bibliographie gerecht wird, nämlich „Schriftenverzeichnis zu bestimmten Themen, Kategorien; Büchernachweis“, sondern eher ein umfangreiches Archiv mit Schriften über fast alle Lebensbereiche der Donauschwaben.
Wer meint, eine Schrift mit biobibliographischen Zügen wäre eine trockene, schwer verdauliche Materie, der wird hier eines Besseren belehrt. Ein Blick in die vielseitigen Forschungsbereiche Anton Scherers kann so manche allgemeinbildende Überraschung für den interessierten Leser freilegen. In welchen Wissensfeldern die einen oder anderen relevanten Daten zu suchen sind, verraten uns die Kapitelüberschriften: Landeskunde, Bevölkerung, Historische Arbeiten, Auseinandersetzung mit ideologischer jugoslawischer und tendenziöser deutscher Geschichtsschreibung, Beiträge zur Interethnik, Volkskundliche Arbeiten, Soziales, Schule, Forschung und Forscher, Literaturgeschichtliche Arbeiten, Sprachgeschichtliche Studien, Presse- und Bücherwesen, Rundfunk, Bestände des Donauschwäbischen Bibliographischen Archivs, Rezensionen und schließlich Bibliographische Grundlagenarbeiten. Eröffnet wird diese Kapitelreihe allerdings mit einer Besprechung der zurecht als Meilenstein in der donauschwäbischen Literaturgeschichte apostrophierten Anthologie Die nicht sterben wollten. Donauschwäbische Literatur von Lenau bis zur Gegenwart. Ein Buch vom Leben der Deutschen und ihrer Nachbarn in Südosteuropa. Von den vielen Stellungnahmen zu diesem Buch zitiert Josef Schramm auch Wilhelm Kronfuß mit den Worten: „Es wäre zu begrüßen, wenn die so lebhafte Volksgruppe der Donauschwaben in Scherers Dichterbuch einen geistigen Ort der Mitte und den ruhenden Pol für ihr sternförmiges Auseinanderstreben finden könnte. Die mit Siebenmeilenstiefeln in unbekannte Weiten enteilende Volksgruppe wurde mit diesem Buch wieder eingeholt und könnte sich darin wie in einem Spiegel erkennen und in seinem Geiste sammeln. Geschichtliches Bewusstsein ist immer geschichtliches Selbstbewusstsein.“ Hier soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass seit dem Erscheinen der zwei Auflagen dieser Blütenlese immerhin 42 bzw. 16 Jahre ins Land gegangen sind.
Die vorliegende Broschüre enthält im Anhang Literaturangaben, derer sich Univ.-Prof. Dr. Josef Schramm bedient hat; es sind 39 Titel von Veröffentlichungen über Prof. Dr. Anton Scherer in verschiedenen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften. Eine Auflistung der zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen, die Scherer für seine Arbeiten erhalten hat, ein praktisches, alphabetisch geordnetes Namensregister, einige aufschlussreiche Rezensionsauszüge, ein Gesamtverzeichnis aller 104 Donauschwäbischen Beiträge von 1952 bis 1998 und eine Auflistung anderer „Veröffentlichungen von Anton Scherer“ meist in der Reihe Danubio-Suevia erschienen, schließen diese kurzweilige, auch mit etlichen Nadelstichen in den donauschwäbischen Kulturbetrieb, der mit dem unabhängigen und selbstbewussten Forschergeist Scherers nicht immer konform lief, bespickte Würdigung des verdienstvollen Kämpfers im Dienste der geistigen Einheit der Donauschwaben.
Anton Potche

aus BANATER POST, München, 5. Juni 2001

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen