Bläsermusik
vom Generalbasszeitalter bis in die Gegenwart präsentieren eine
Posaunistin, ein Hornist, zwei Trompeter und ein Tubist auf einer CD
unter dem Titel Wonderbrass. Was auf den ersten Blick
besticht, ist das Alter oder besser gesagt, die Jugend dieses
Ensembles. Umso überraschter darf man darum sein, wenn man sich die
Interpretationen der Einspielung anhört.
Die
Sonate aus einer Bänkelsängerlieder-Sammlung des 17.
Jahrhunderts lässt uns in ihrer herzerfrischenden Vortragsweise den
dieser Liedgattung oft zugeschriebenen Frevelinhalt erahnen. Ein
zünftiger Auftakt, würde man heute in manierierter Jahrmarktsprache
wohl sagen.
Doch
schnell wendet das jugendliche Quintett sich dem Ernst des Lebens zu.
1722 und 1744 erschienen die zwei Bände des Wohltemperierten
Klaviers. 48 Präludien und Fugen, das sind jeweils ein kurzes
Vorspiel und eine folgende „Flucht“ einer Hauptstimme vor einer
oder mehreren Nebenstimmen, hat Johann Sebastian Bach
(1685 – 1750) darin veröffentlicht. Neunzehn weitere Werke dieser
Gattung komponierte er für die Orgel. Wie ein Stück mit
Blasinstrumenten klingt, führt OPUS 5
uns eindrucksvoll mit Präludium und Fuge e-Moll BWV 555 vor.
Das Werk entstammt einer Sammlung von acht Präludien und Fugen, die
Bach in seinen frühen Weimarer Jahren für seine Schüler
geschrieben haben könnte. Als diese CD aufgenommen wurde, waren die
fünf Instrumentalisten auch noch alle Schüler oder Studierende.
Das
folgende Stück stammt aus der Feder des Franzosen Jean Joseph
Mouret (1682 – 1738) und ist mit Rondeau überschrieben.
Es handelt sich um ein Ritornell, das als Vor- und Nachspiel die
Pausen zwischen den Chorälen auszufüllen hatte. Dementsprechend
kurz ist auch das hier aufgeführte Werk.
Heinrich
Finck (um 1445 – 1527) wurde in seinem musikalischen
Schaffen als Großmeister apostrophiert und sogar mit Albrecht
Dürer verglichen. Im Jahre 1536 erschienen Schöne
auserlesene Lieder des hochberühmten Heinrici Finckens. Daraus
hören wir die Instrumentalfassung des Liedes Greiner Zanner.
Antonio
Vivaldi (1678 – 1741) ist einer der produktivsten
Tonschöpfer überhaupt. 49 Opern und sage und schreibe 300 Konzerte
umfasst sein Mammutwerk. Von den kleineren Vivaldi-Kompositionen
spielt die Gruppe OPUS 5 die Sonate in Es-Dur.
Canzona
per Sonare No. 4 ist ein Werk des Venezianers Giovanni
Gabrieli (um 1557 – 1612), das die
Experimentierfreudigkeit dieses Tonkünstlers dokumentiert und auf
dieser CD zu hören ist. Gabrieli war ab 1586 Organist an der
Münchner Markuskirche, deren Doppelchörigkeit er voll ausnutzte. In
seinen Instrumentalwerken sollen sich bisweilen 22 Stimmen
gleichzeitig tummeln.
Anton
Bruckner (1824 – 1896) ist der Inbegriff großer
sinfonischer Dichtung. Man stellt sich riesige Klangkörper und
gloriose Hymnik, die unserer Schnelllebigkeit trotzig die Stirn
bietet, vor. Bruckners 8. Sinfonie füllt allein einen
Konzertabend aus. Da durfte man gespannt sein, was fünf angehende
Bläserprofis aus so einem Nimbus machen. Oh ja, in Introduktion
und Postludium f-Moll schwingt wirklich ein Hauch von barocker
Erhabenheit.
Die
Suite for Brass Quintett bietet einen kurzen Einblick in
Edward Hagerup Griegs (1843 – 1907) Werk und macht uns
vertraut mit den Klängen des hohen Nordens. Die eigenständige
Klangfarbe steht in wohltuendem Kontrast zu dem bisher Gehörten.
Mit
Klaus-Peter Bruchmann (geb. 1932) präsentiert OPUS 5
einen zeitgenössischen Komponisten, der auch zahlreiche
Blasorchesterwerke geschrieben hat. Das hier gespielte Stück Cinq
pour Cinq bringt den Gestaltungsbogen des Komponisten voll zur
Geltung: Prelude, Walzer, Gavotte, Chanson,
Can-Can.
Ja
was klingt denn da zum Schluss? „Wenn du mal in Hawai bist / Und
wenn es grade Mai ist / Und wenn dein Herz frei ist, / Dann komm zu
mir“. Und das im saloppen Foxtrott-Rhythmus. Warum nicht? Eine
hervorragende Idee, diese Hommage an die leichte Muse. Jan
Koetsier (geb. 1911) hat den Kleinen Kinderzirkusmarsch
op. 79/b geschrieben, und die soeben den Kinderschuhen
entwachsenen Protagonisten der im wahrsten Sinne des Wortes
Wonderbrass-CD haben ihn reizend interpretiert.
OPUS
5, das sind: Steffi Scheuer (Posaune, sie war
Schülerin des aus Temeswar stammenden Posaunisten der
Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen, Hans Breika),
Winfried Haag (Trompete), Thomas Hammes
(Trompete), Andreas Heinz (Horn) und Siegfried
Jung (Tuba). Letzterer wurde in Jahrmarkt / Banat geboren und
seine zwei ersten Lehrer waren Mathias Loris und Oswald
Windrich, beide ebenfalls aus Jahrmarkt stammend. Bei der Gala
junger Banater Solisten anlässlich des Heimattages der Banater Schwaben im Jahre 2000 war
Siegfried Jung als einziger Bläser ein würdiger
Vertreter der Banater Bläsertradition.
Wer
wissen will, warum OPUS 5 von Burgund bis Moskau und
Sankt Petersburg zu Konzerten eingeladen wird, der sollte sich diese
CD anhören. Lyrisch, harmonisch, rhythmisch exakt, dynamisch, sind
nur einige der Eigenschaftswörter, die diese Scheibe verdient, ganz
zu schweigen von der perfekten Intonation.
Anton Potche
aus BANATER POST, München, 20. April 2001

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