Mittwoch, 20. März 2013

"Gruß aus Jahrmarkt" (I)

Namen, Jahreszahlen und Ereignisse 
in der 70jährigen Geschichte der 
Loris-Kapelle
von Prof. Hans Speck
Wer kennt sie nicht, die Jahrmarkter Musikanten? In vielen Banater Ortschaften spielte schon mindestens eine der zwei Kapellen, die heute in der Großgemeinde der Banater Hecke, vor den Toren der Temescher Metropole, ihre musikalische Tätigkeit entfalten. Musik ist hier Tradition. Schon 1874 war eine 22 Mann starke Kapelle dokumentarisch bestätigt.
Wenn in diesem Jahr die größte, älteste und bekannteste der Jahrmarkter "Blechmusiken", die Loris-Kapelle, ihr 70jähriges Jubiläum begeht, darf mit Fug und Recht der Verse erinnert werden: "Himmel und Erde mögen vergehn / aber die musica - aber die musica / bleibt bestehn." 
Die Geburtsstunde der heute 70jährigen Kapelle war am 8. August 1908. Damals unterzeichneten 31 Musikanten und Kapellmeister Peter Loris vor dem Notar Sandor Janos und dem Zeugen Mathias Bild den Gründungsakt. Die Geschichte einer Musikkapelle, die den Stürmen der Jahrzehnte, gesellschaftlichen Umwälzungen, Weltkriegen und inneren Wirrungen standhalten sollte, hatte begonnen.
Der am 23. Dezember 1876 als Handwerkersohn in Jahrmarkt geborene Peter Loris kam nach Beendigung der Volksschule früh zur Musik. Schon als 15jähriger fesselte der überragend musikalisch begabte Junge die Aufmerksamkeit der Dorfgemeinschaft. Es war bei einer Konzertveranstaltung der damaligen Kasznel-Kapelle im Wirtshaus "Zum scharfen Eck" im Winter des Jahres 1891. Im Konzertstück "Heimat" hatte Peter Loris das Solo für Flügelhorn zu blasen. Die Solopartie löste helle Begeisterung aus. Der stürmische Beifall wollte kein Ende nehmen und das ganze Konzertstück musste wiederholt werden. Niemand ahnte damals, dass der Solobläser Peter Loris einmal Gründer einer eigenen Kapelle sein wird.
Die Musik der Wiener Klassiker und Kompositionen vieler österreichischer Kleinmeister auf der einen, die deutsche Volksmusik und das heimatlich-bäuerliche Musiziergut auf der anderen Seite - damit sind zwei Pole bezeichnet, zwischen denen die musikalische Erfahrungswelt lag, in die der junge Loris hineinwuchs und innerhalb deren sich auch seine ganze weitere künstlerische Entwicklung vollzog. Die Fortschritte, die der junge Bläser in der Musik machte, waren so eindeutig, dass sein Vater Mathias Loris an dessen weitere musikalische Ausbildung denken musste. Nach vier Jahren Musikunterricht wurde 1897 die Stadt Szegedin für über ein Jahrzehnt Stätte seiner musikalischen Tätigkeit. Obzwar im späteren XIX. Jahrhundert in Europas Musikmetropolen die Musik des Volkes und jene der großen Komponisten sich als einander ausschließende, durch eine tiefe Kluft geschiedene Gegensätze gegenüber standen, blieb das Musikleben der damaligen Provinzstadt Szegedin davon unberührt.


aus NEUE BANATER ZEITUNG, Temeswar, 3. August 1978

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