Sonntag, 12. Juni 2011

Fragmente


Seiten 35, 36

... Am 30. Juni 1771 wird in einer Besprechung, welche zwischen Bischof Graf Engl, dem Präsidenten des Banates Graf Karl Clari und dessen Räte stattfindet, der Beschluß gebracht, daß in der Gemeinde Gyarmath auf ärarische Kosten eine neue Kirche aus hartem Material erbaut werde. Als Bauplatz wird eine Anhöhe in Mitte der Gemeinde ausersehen und der Bau dem Temesvárer Maurermeister Johann Georg Müller übergeben. Am 19. Juli 1771 beginnt die Ausgrabung des Fundamentes, am 17. August legt Pfarrer Josef Wohlfarth feierlich den Grundstein der Kirche, welcher im Sanktuarium an jener Außenwand liegt, welche gegen die Altgasse hinübersieht. Am 2. Mai 1773 wird die neue Kirche im Auftrage des Bischofs Graf Engl de Vagrian durch den Domprobst Anton Peter de Valpott feierlich eingeweiht.

... Noch im Jahre 1773 werden Sammlungen eingeleitet, auch außerhalb des Ortes wird überall angeklopft, es werden die Kirchenstiftungen des gewesenen Pfarrers Grimer, der Familien Clomis und Rip dazugeschlagen und aus diesen Beträgen noch im ersten Jahre eine Orgel mit 6 Registern, eine Glocke mit 430 Pfund, eine mittlere mit 320 Pfund und eine kleine mit 215 Pfund angeschafft.

... Mittlerweile beginnt die erste Orgel allmählich den Dienst zu versagen und die Gemeinde stellt im Jahre 1821 um den beträchlichen Preis von 2500 fl. die neue Orgel mit 10 Registern ein, welche noch heute den frommen Gesang der Gläubigen begleitet, aber mit ihrem oft stockenden Atem und ebenso oft quieksenden Stimmpfeifen schon sehr deutlich daran mahnen will, daß sie kein sanglustiger Jüngling mehr sei.

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... Der Hauptzug, welcher die Ansiedler dieser Gemeinde kennzeichnet, ist ihre große Religiosität und Frömmigkeit. ... Ihre große Frömmigkeit kennzeichnen auch ihre religiösen Gebräuche und Festlichkeiten. Jenes alte Protokoll, welches uns die Beschreibung der ersten Kirche bewahrt hat, erwähnt auch diese. Ich entnehme demselben nur folgendes: "... Am Feste des hl. Georg geht die Prozession in die Domkirche nach Temesvár, da der hl. Georg der Patron dieser Kirche ist. Unterwegs wird ständig gebet und gesungen. ..."

... Nebst allen diesem ist auch ein anderer schöner Zug im Gefühlsleben der Bevölkerung: die Vorliebe für ihre Schule. ... Es entstehen nun in der Umgebung um das Jahr 1749 - 50 die ersten Schulen und als Maria Theresia im Jahre 1768 verordnet, daß jedem Lehrer-Organisten in den Ansiedlungsgemeinden jährlich 60 fl. Gehalt aus der ärarischen Kassa ausgezahlt werde, wächst die Zahl der Schulen immer mehr.

... Das Banat war an die ungarische Krone zurückverleibt. Die ungarische Komitatsverwaltung begann in diesen Gebieten ihre Tätigkeit. ... Gyarmath ordnet schon im Jahre 1831 in seiner Schule an, daß die Kinder in der Schule auch die ungarische Sprache erlernen, sie singen, beten zeitweilig in der Kirche auch schon ungarisch. 

aus Temesgyarmat - Ein Beitrag zur Geschichte der Entstehung und Entwicklung dieser Gemeinde und Pfarre, von Pfarrer Franz Demele, Selbstverlag, Innsbruck 1913

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